Zeitreise

die Haupthalle des Gyeonghuigung Palastes
die Haupthalle des Gyeonghuigung Palastes

Was macht man im Winter in einer großen Stadt, noch dazu wenn man keine eigene Wohnung hat ? Richtig, man geht ins Museum. In Seoul gibt es davon eine stattliche Anzahl und bei einigen ist sogar der Eintritt frei. Also haben wir uns auf den Weg gemacht ins Historische Museum von Seoul – von außen ein hässlicher Bau, der seine besten Jahre bereits hinter sich hat, aber im Inneren sehr ansprechend gestaltet. Die Dauerausstellung über die Geschichte Seouls haben wir uns aufgehoben für einen Tag mit wirklich schlechtem Wetter. Gekommen waren wir wegen der Sonderausstellung zur Geschichte Myeong-dongs.
Myeong-dong ist ein beliebtes Viertel im Stadtteil Jongno-gu. Während der Besatzungszeit wurde es „die japanische Stadt“ genannt, weil viele Japaner dort lebten. Dann in den 1960`er Jahren entwickelte es sich zu einem Künstlerviertel mit Theatern und vielen Bars – vielleicht zu vergleichen mit Schwabing zur damaligen Zeit. Inzwischen ist es ein belebtes Finanz- und Shopping-Viertel, wovon wir uns später noch selbst überzeugen konnten.
Aber erst einmal war uns nach mehr Zeugnissen der Geschichte zumute und wir begaben uns ins 17. Jahrhundert – zum Gyeonghuigung Palast. Die Anlage ist heute nur noch halb so groß wie ursprünglich erbaut, die andere Hälfte wurde von den Japanern zerstört.
Für uns war es eine wunderbare Erfahrung, dass es in dieser hektischen Stadt so menschenleer und still sein kann. Sogar dem Zwitschern der Vögel konnte man lauschen.
Kurze Zeit später – in Myeong-dong – kam mir das wie ein Traum vor.
Ich hatte den Eindruck, dass auf dieser Einkaufsstraße, die wir auf dem Weg zur Kathedrale durchqueren mussten, zu der Zeit alle Einwohner Seouls zwischen 15 und 35 Jahren unterwegs waren. Aber das reichte noch nicht. In der Mitte der nicht gerade breiten Straße (Fußgängerzone) hatten fliegende Händler ihre Stände aufgebaut und boten laut schreiend ihre Waren an. Ich jedenfalls habe mir geschworen, nie wieder am Wochenende einen Fuß dorthin zu setzen.

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