Auf der Suche nach dem Frühling...

In Seoul lässt der Frühling auf sich warten (am 24. März hat es sogar geschneit) und so haben wir uns mit unserem Auto aufgemacht Richtung Süden. Dort in der südwestlichen Provinz Jeollanam-do sollten angeblich die Pflaumen blühen und in einem Ort bei der Stadt Gwangyang fand ein Pflaumenblütenfest statt.

Unser Navi kannte den Weg und nach 4 Stunden Autobahnfahrt hatten wir unser Ziel erreicht. Schon allein des Wetters wegen hatte sich die Fahrt gelohnt, war doch der Regen einem strahlend blauen Himmel gewichen.

Was sich allerdings unseren Augen bei Ankunft im Dorf Seomjin, nördlich von Gwangyang bot, ließ starke Zweifel daran, ob dieser Ausflug eine gute Idee war, aufkommen. Die Reisebusse, die schon auf den Parkplätzen standen bzw. sich auf der Straße aneinander reihten konnten wir nicht zählen und die Anzahl der Pkws sowieso nicht. Wir waren ja von Japan Menschenmassen gewöhnt, aber das war doch der absolute Gipfel. Und alles wegen ein paar Pflaumenbäumen, die noch nicht mal alle aufgeblüht waren !

Wenigstens bekamen wir unser Auto recht bald los und waren schon lange unterwegs durch eine Pflaumenplantage zum Festivalgelände, als die anreisenden Koreaner noch immer einen besser gelegenen Parkplatz suchten.

Auf dem Festivalgelände, dass auf einem großen Platz am Fluss errichtet worden war, stellten wir fest, dass es für Koreaner bei solch einem Event auch sehr wichtig ist, zu essen und etwas zu kaufen.

Im Dorf selbst, das sich an einen Hügel über dem Fluss schmiegte, war es für uns schon interessanter. Hier sahen wir zum ersten Mal, wie die Landbevölkerung lebt. Es gab alte Häuser im traditionellen Stil und neue protzige Wohngebäude. Dazwischen saßen immer wieder alte Mütterchen, die etwas verkaufen wollten. Ach ja, und Pflaumenbäume gab es natürlich auch und es war jammerschade, dass erst ca. ein Drittel der Blüten geöffnet war.

Den Ort zu verlassen war dann noch einmal eine Geduldsprobe, weil viele Besucher erst ankamen, als wir bereits wieder abfuhren. Aber gegen 16.30 Uhr hatten wir es nach Gwangyang hinein geschafft, wo wir auch schnell das von uns angepeilte Motel fanden und dort einchecken konnten.

Das Zimmer war recht geräumig, gut ausgestattet und sauber, so dass einer erholsamen Nacht nichts im Wege stand. Für umgerechnet ca. 27 € war diese Übernachtungsmöglichkeit doch eine gute Alternative zu einem Hotel.

... und nach Zeugnissen längst vergangener Zeiten

im Camelienwald an der Stelle, wo einst der Tempel stand
im Camelienwald an der Stelle, wo einst der Tempel stand

Als wir Richtung Gwangyang fuhren hatten wir außer dem Pflaumenblütenfest kein weiteres Ziel in dieser Gegend. Es stellte sich aber dann heraus, dass es noch so Einiges zum Anschauen und zum Erlaufen gibt. Die Gegend hat Mittelgebirgscharakter und irgendwo zwischen zwei Hügeln verbirgt sich ein Camelienwald, von dem Jürgen gelesen hatte und den wir nach einigem Suchen auch fanden. Ein wunderschönes Fleckchen, wo einst ein Tempel stand, um den herum ein Zen-Priester viele Camelien pflanzte. Das war im 9. Jahrhundert und die ca. 7000 Camelien sind heute an die 5 Meter hohe Bäume, die teilweise rot blühten. Die Stelle, wo der Tempel stand, kann man noch erkennen und an anderer Stelle wurde ein neuer Tempel errichtet sowie eine riesige goldene Buddhastatue aufgestellt.

Nach diesem Naturerlebnis weitab jeglichen Zivilisationslärms begaben wir uns in eine belebtere Gegend und zwar zum Nagan Folk Village. Wir waren schon durch unseren Reiseführer darauf vorbereitet, dass es sich nicht um ein herkömmliches Freilichtmuseum handelt. Das heutige Folk Village bei der Stadt Suncheon war seit dem 17. Jahrhundert ein Festungsstädtchen und alle ca. 100 Häuser innerhalb der Festungsmauern sind noch heute bewohnt bzw.  bewirtschaftet. Man sieht es ihnen an, dass sie aufwändig restauriert wurden und sicher in ihrem Inneren keinen Komfort vermissen lassen. Aber von außen betrachtet fühlt man sich in eine andere Zeit versetzt. Der Rundgang durch das Dorf (man konnte auch auf der Festungsmauer entlanggehen) war ein ganz besonderes Erlebnis und ich habe wieder viele schöne Fotos gemacht, von denen es in der Galerie einige zu sehen gibt.

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Kommentare: 1
  • #1

    Carola (Sonntag, 15 April 2012 03:56)

    Euer Navi würde mich sehr interessieren... Spricht es mit Euch oder zeigt es nur an??
    Vielen Dank für die tollen Reiseberichte! Es braucht sicherlich seine Zeit, aber bald wird Südkorea zu einer dritten Heimat. Ihr habe gar keine andere Chance... Solch ein unmittelbarer Vergleich zwischen Japan und Südkorea ist ein echtes Geschenk! Vor nicht allzu langer Zeit habt Ihr in Deutschland mit uns allen zusammen auf den frühling gehofft. Wir harren hier gern weiter aus und freuen uns, dass die Kastanienbäume und deutschen Eichen langsam ihre Blätter zum Vorschein bringen. Ist auch schön:)Habt weiterhin eine gute Zeit! Ich freue mich auf weitere Reiseberichte! Liebe Grüße Carola