Durch die Hölle ins Paradies

im Chollipo Arboretum
im Chollipo Arboretum

Als wir uns letzten Samstag ins verlängerte Wochenende Richtung Südwesten aufmachten, überlegte ich noch, ob wir wohl an unserem Zielort etwas zum Mittagessen finden würden. In kleineren Orten ist das immer so eine Sache, besonders wenn man sich nicht verständigen kann. Das Mittagessen war dann unser kleinstes Problem, weil: wir waren noch lange nicht an unserem Zielort angelangt und haben auf einer Autobahn- raststätte zu Mittag gegessen. Etwas Gutes musste ja diese verstopfte Autobahn haben, auf der wir mit 40km/h vorwärtskrochen. Das ist eben der ganz normale Wahnsinn, wenn man am Wochenende aus Seoul raus will.

Ich beschwere mich ja immer, wie provinziell deutsche Großstädte sind, aber eigentlich können wir froh sein, dass es in Deutschland keine richtig großen Städte gibt.

Irgendwann hatten wir dann die 140 km zum Chollipobeach hinter uns gebracht und waren am Arboretum des Amerikaners Carl Ferris Miller angekommen. Die Anzahl der Fahrzeuge auf dem Parkplatz ließ noch die schreckliche Vorahnung von sich durchschiebenden Massen aufkommen, aber auf dem gut 56 Hektar großen Gelände hatten sich die Besucher gut verteilt.

C.F. Miller lebte über 50 Jahre in Korea und begann in den 1970er Jahren, auf dem Land am Chollipobeach, das er einem verarmten Grundbesitzer abgekauft hatte, Bäume zu pflanzen. Als er 2002 fast 81-jährig verstarb, hinterließ er dieses ahnsehnliche Arboretum, das von Experten als das beste der Welt bezeichnet wird. Allein über 400 Magnolienarten wachsen hier und es war gerade die beste Jahreszeit, diese wunderschönen Bäume in voller Blüte zu erleben. Aber auch letzte Kirschblüten und ein Meer von Narzissen und Osterglocken erfreuten das Auge.

Miller hatte sich hier am Meer sein Paradies auf Erden geschaffen und nachdem wir für kurze Zeit darin verweilen durften, waren die Strapazen der Hinfahrt schon vergessen.

Für diesen Tag hatten wir unser Soll erfüllt, weitere Sehenswürdigkeiten waren nicht in der Nähe. So suchten wir uns eine Übernachtungsmöglichkeit und fanden eine ansprechende Pension, die ruhig in einem Kiefernwäldchen oberhalb des Meeres gelegen war. Die junge Frau, die uns den Zimmerschlüssel aushändigte, sprach kein Englisch, so dass wir ihr Angebot, das Abendessen in der Pension einzunehmen, ausschlugen. Wir hätten mit unseren rudimentären Sprachkenntnissen nicht herausgefunden, was sie uns servieren will. Stattdessen fuhren wir in die nächstgelegene Stadt, was sich als nicht sehr kluge Entscheidung erwies. Nachdem wir die Hauptstraße des Ortes auf jeder Seite einmal abgeschritten und die Aufmerksamkeit der ansässigen Jugend auf uns gezogen hatten, mussten wir uns eingestehen, dass es erstens hier nur traditionelle Restaurants (man sitzt auf dem Boden) gibt und wir zweitens mit Englisch hier nicht weiterkommen. Kurzerhand sind wir in ein Fischrestaurant rein und haben mit Händen und Füssen rohen Fisch bestellt. Auf unserem Tisch

landete zwar Sashimi, was wir eigentlich wollten, aber auch noch viele andere Sachen, die die Gewässer so hergeben (Muscheln, Schnecken und noch anderes Undefinierbares). Wir sind zwar satt geworden, aber qualitativ hat es an ein vergleichbares Essen in Japan nicht herangereicht.

Jedenfalls waren wir nach Verlassen des Restaurants froh, als der Schmerz in den Beinen nach einigen Schritten wieder nachließ.

unser Sashimi-Mahl
unser Sashimi-Mahl

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