Tulpengigantomanie und Seelenheil

Am Sonntagmorgen waren wir ganz klar im Vorteil gegenüber den anderen Besuchern, die wie wir zum Taean Blumenfestival wollten. Ursprünglich stand das nicht auf unserem Plan, da wir aber am Samstag die Plakate gesehen hatten und das Festivalgelände in der Nähe unserer Pension lag, reservierten wir uns den Sonntagvormittag für die Blütenschau.

Im Südwesten der Taean-Halbinsel hatte man ein großes Gelände in Blumenfelder umgewandelt. Felder ist hier das richtige Wort, obwohl das Gelände durch Wasserläufe, einen See und Observationshügel aufgelockert wurde. Viermal im Jahr gibt es hier ein Blumenfestival und jetzt blühten gerade die Tulpen. Tulpen soweit das Auge reicht, in allen erdenklichen Farben, Formen und Größen !

Uns hat dieser blütenreiche Spaziergang gefallen und auch die Koreaner scheinen nach derartigen Angeboten ausgehungert zu sein. Das jedenfalls konnte man aus der nicht endend wollenden Blechkarawane, die sich auf das Festivalgelände zu bewegte, schließen.

Wir verließen dann die Taean-Halbinsel und fuhren nach Osten zum Gyeryongsan Nationalpark, wo wir zunächst den Gapsa (Tempel) aufsuchten, der versteckt zwischen den Bergen des Nationalparks liegt und

auf eine über 1500jährige Geschichte zurückblickt. Am Tempel herrschte ein ständiges Kommen und Gehen von Pilgern und Wanderern, die man jeweils an ihrer besonderen Kleidung erkannte. Allerdings ist uns aufgefallen, dass fast nur Frauen unterwegs waren und wir fragten uns, was wohl die Männer zwischenzeitlich taten.

Der Tag war noch nicht so sehr weit fortgeschritten und so hatten wir noch Zeit, zum Gwanchoksa (Tempel), etwas weiter südlich, zu fahren.

Dieser Tempel ist vor allem deshalb interessant, weil auf seinem Gelände eine über 1000 Jahre alte Buddhastatue steht, der Eunjinmireuk. Er gilt als Buddha der Zukunft und ist mit 19 m Höhe eine der größten Buddhastatuen in Korea.

Leider kann man auf den Fotos (siehe Galerie) die besondere Atmosphäre an den Tempeln nicht einfangen.

Am Abend fuhren wir dann in die nächste größere Stadt, einfach um eine größere Auswahl an Übernachtungs- und Essensmöglichkeiten zu haben.

Als wir in Daejeon ankamen, stellten wir fest, dass die Stadt doch etwas größer ist (1,5 Mio. Eiinwohner). So war es gar kein Problem, ein relativ preiswertes Hotel und ein Restaurant zu finden, wo wir uns verständigen konnte.

Der Tempel, den wir am Montag besuchten, befindet sich auch in einem Nationalpark und man erreicht ihn nach einem Spaziergang, zunächst durch eine große Parkanlage mit beeindruckenden alten Bäumen und dann durch ein lichtes Wäldchen entlang eines Flusses.

Der Beopjusa (Tempel) am Fuße des Songnisan ist der Haupttempel des Jogye Ordens des Koreanischen Buddhismus. Auch dieser Tempel ist schon sehr alt (gegründet 653) und hat eine bewegte Geschichte mit insgesamt acht Umbauten hinter sich. Auf dem großen Gelände befindet sich die älteste hölzerne Pagode in Korea (erbaut 553) sowie eine 33 m hohe Buddhastatue aus Kupfer.

Nachdem wir den Tempel verlassen und im nahegelegenen Ort Mittag gegessen hatten, standen wir vor dem Dilemma, dass die Sehenswürdigkeiten, die wir eigentlich noch besichtigen wollten, zu weit weg bzw. schlecht zu erreichen waren. So fuhren wir nur noch zur Sangdangsanseong Festungsmauer in der Nähe der Stadt Cheongju, die noch fast vollständig erhalten und 4,1 km lang ist. Sie auf der gesamten Länge abzulaufen, haben wir uns gespart, sind aber zu dem an einem See gelegen Ort, der von der Mauer eingeschlossen ist bzw. war, hinabgestiegen. An einem Wochenende wäre dort sicher mehr losgewesen, aber so konnten wir bei einem Spaziergang in aller Ruhe den schönen Ausblick genießen und waren froh, dieses idyllische Fleckchen gefunden zu haben. Nach Seoul war es nun nicht mehr weit und wir beschlossen, anstatt noch einmal eine Übernachtungsmöglichkeit zu suchen, nach Hause zu fahren. Es ging diesmal auch bedeutend schneller voran als am Samstagvormittag.

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