Völkerwanderung

Seoul, Bugaksan
auf dem Berg Bugaksan (342 m)

Dass wir nicht allein sein würden bei unserem Vorhaben, an einem sonnigen Samstag im November in oder bei Seoul einen Blick auf die Laubfärbung zu erhaschen, war uns bewusst. Aber es ist schon erstaunlich, wie die eigenen Vorstellungen immer wieder von der Realität abweichen.

Schon als wir an der Einstiegsstelle zur alten Festungsmauer angelangt waren, wäre ich beim Anblick der Menschenmassen dort am liebsten wieder umgekehrt. Aber dann wurde mir klar, dass ich kein Plätzchen finden würde, wo ich Sonne, Ausblick und Laubfärbung gleichermaßen genießen könnte.

Der Abschnitt der alten Festunsmauer nördlich des Berges Bugaksan, für den wir uns entschieden hatten, war 38 Jahre lang für die Öffentlichkeit gesperrt und ist seit April 2006 zu bestimmten Zeiten begehbar. Wir mussten uns registrieren lassen und bekamen einen Besucherausweis, bevor wir mit dem Aufstieg beginnen konnten.

Der erste Teil diente eigentlich nur dazu, Höhe zu gewinnen. Über unendlich viele Stufen ging es bergan inmitten einer unübersehbaren Menschenschlange. Links die Mauer, die so hoch ist, dass zumindest ich nicht darüber schauen konnte, und rechts ist der Weg meistens durch Zäune begrenzt. Wenn es doch mal was zu Sehen gab, durfte man nicht fotografieren. Ich habe keine Ahnung, was es dort zu verbergen gibt, aber es drängte sich doch der Gedanke auf, durch militärisches Sperrgebiet zu gehen, was durch vereinzelte mit Stacheldraht gesicherte Abschnitte noch verstärkt wurde.

Als wir den schweißtreibenden Aufstieg geschafft hatten, wurden wir doch mit einer herrlichen Aussicht belohnt und auch der Weg wurde breiter, so dass man die vielen Ausflügler als nicht mehr ganz so störend empfand.

Nachdem wir den bewachten Teil des Weges verlassen hatten, fanden wir sogar ein ruhiges Plätzchen für unsere Mittagspause und machten uns dann an den Abstieg zurück in die Stadt.

Wir hatten nur eine ungefähre Ahnung, an welcher Stelle wir rauskommen würden und entdeckten sogar noch einen Schrein, von dessen Existenz wir bis dahin nichts wussten. Der Seonggyungwan Munmyo ist der wichtigste konfuzianische Schrein in Südkorea und wurde 1398 errichtet. 

Das riesige Gelände mit den vielen Gebäuden erinnerte mich an die Königspaläste in Seoul, aber an diesem Tag waren zwei hohe, ausladende Ginkgobäume, die in Goldgelb erstrahlten, die Hauptattraktion des Schreins.

Unterwegs hatten wir auch ein paar schöne bunte Bäume gesehen, aber dieser Anblick war dann doch der krönende Abschluss unseres Ausfluges. 

 

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