Typisch koreanisch !

Am letzten Samstag hatten wir den Vormittag für sportliche Betätigung reserviert - und zwar vom Feinsten, nämlich mit Naturgenuss. Alles hat seinen Preis und weil wir erstens der mittäglichen Hitze und zweitens den radfahrenden Massen ausweichen wollten, machten wir uns frühmorgens auf den Weg, mit Frühstück im Gepäck. Dank unseres Radträgers für´s Auto ist es nun kein Problem mehr, außerhalb der Stadt zu radeln und so fuhren wir ein Stück auf einem neu angelegten Radweg östlich von Seoul entlang. Am frühen Vormittag waren nur wenige Radler unterwegs und wir genossen die frische Luft sowie die Ruhe. Das sollte jedoch nicht lange andauern. Als wir uns auf einer Bank mit Blick auf den Fluss Bukhangang niedergelassen hatten, um gemütlich unsere Frühstücksbrote zu verspeisen, dauerte es nicht lange, bis drei Koreanerinnen mittleren Alters anhielten und ihre Räder neben unserer Bank ins Gras legten. Zunächst wunderten wir uns, warum sie ausgerechnet an dieser Stelle hielten, aber Jürgen vermutete, dass wir auf der einzigen schattigen Bank weit und breit saßen. Nun war es mit der Ruhe vorbei. Die drei Damen stellten sich genau hinter uns und schnatterten laut drauflos. (Koreaner reden immer laut, wahrscheinlich können sie es nicht anders.) Als es uns zu bunt wurde, sagte Jürgen etwas zu ihnen, was sie aber lediglich dazu bewog, drei Schritte nach hinten zu treten; mit der Beschallung ging es weiter. Spätestens jetzt merkten wir, dass wir wieder in Korea sind. Wie wir später feststellen konnten, hatten die drei Grazien wirklich nur darauf gewartet, dass wir von der Bank aufstehen, damit sie sich selbst hinsetzen konnten.

Als wir dann am Sonntag im Norden von Seoul in einem Gebiet unterwegs waren, das wir bis dahin nur flüchtig gestreift hatten, sind uns auch wieder einige Sachen aufgefallen, die so typisch für Korea sind: die vielen kleinen Cafes, die unbeschreiblich kleinen Häuschen in den alten Wohngebieten, alte Leutchen, die am Straßenrand etwas verkaufen wollen; Menschen, ausgerüstet wie zur Alpenüberquerung, die in der größten Mittagshitze die alte Festungsmauer besteigen. Und das Verhältnis der Koreaner zum Essen wurde uns wieder allzu deutlich demonstriert, als wir an einem Restaurant vorbeikamen, vor dem geschätzte 40 - 50 Leute auf einen Platz warteten.

Aber das hat uns ja alles nicht gestört und wenn sich die Koreaner genauso verhalten würden wie wir, wäre es ja langweilig.

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