Mondverehrung

Daeborum Seocho-gu
Vollmondfestival am Yangjaecheon

Wenn mich vor zwei Wochen jemand gefragt hätte, was der Begriff "Daeborum" bedeutet, hätte ich darauf keine Antwort gewusst. Denn erst jetzt, im dritten Jahr unseres Korea-aufenthaltes, haben wir von dieser Tradition, die das koreanische Volk seit Jahrhunderten pflegt, erfahren und konnten - zumindest teilweise - auch dabei sein. "Daeborum" heißt "Großer Vollmond" und bezeichnet sowohl den ersten Vollmond im Neuen Jahr nach dem Mondkalender als auch das dazugehörige Fest. In diesem Jahr gab es den ersten Vollmond nach dem Neujahrsfest am 14. Februar. Am Abend davor werden traditionsgemäß Feuer entzündet und Wünsche für den kommenden Frühling ausgesprochen. Traditionell ist Daeborum ein Brauch der Landbevölkerung. Der Winter neigte sich seinem Ende zu und man betete für eine gutes Frühjahr, in dem die Saat für die kommende Ernte ausgebracht wird. Die Feuer am Vorabend des Vollmondes wurden auf den Reisfeldern abgebrannt.

Die Lebensumstände haben sich geändert, die Reisfelder sind vielerorts Hochhaussiedlungen gewichen, aber die Wünsche der Menschen und ihre Verehrung des ersten Vollmondes im Neuen Jahr haben die Zeiten überdauert. Das Vollmondfestival, bei dem wir zugegen waren, wurde von der Stadtbezirksverwaltung Seocho-gu ausgerichtet und zwar an einem durchaus romantischen Ort, am Flüsschen Yangjaecheon.

Neben zahlreichen Essensständen war die hohe, mit Kiefernzweigen verkleidete Pyramide der Hauptanziehungspunkt an diesem frühen Abend. Wer wollte, hatte seine Wünsche auf Papierstreifen geschrieben und an der Pyramide befestigt. Bevor die Sonne unterging und der nahezu volle Mond am wolkenlosen Himmel erstrahlte, wurden noch verschiedene Riten vollzogen und all das, was später in Flammen aufgehen sollte, gesegnet.

Wir hatten uns einen Platz abseits der Menschenmenge gesucht, um einen besseren Überblick zu haben. Nachdem die Pyramide angezündet worden war, stieg zunächst eine riesige Rauchwolke, verursacht durch Brandbeschleuniger, gen Himmel. Als sich diese verzogen hatte, brannte ein ruhiges, helles Feuer vor sich hin und nahm all die Wünsche für ein glückliches Jahr mit sich.

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