Bloß nicht krank werden !

St.Mary's Hospital
im St.Mary's Krankenhaus

Bisher war ich der Ansicht, dass man im Krankheitsfall in Seoul gut aufgehoben sei. Schließlich hat ja Südkorea ein funktionierendes Gesundheitssystem mit modernen Kliniken und gut ausgebildeten Ärzten. Gestern musste ich mich aber eines Besseren belehren lassen.
Eigentlich wollte ich vermeiden, hier noch einmal eine Klinik aufsuchen zu müssen, aber eine sehr schmerzhafte Ohrentzündung zwang mich doch dazu.
Los ging´s damit, dass wir bei zwei Kliniken abgewiesen wurden (Jürgen hatte angerufen) mit der Begründung, dass kein Termin mehr frei wäre bzw. kein HNO-Arzt verfügbar. So blieb uns nichts anderes übrig, als im St. Mary's Krankenhaus, wo ich schon einmal beim Arzt war, die Notfallaufnahme aufzusuchen. Nach anfänglichen Verständigungsschwierigkeiten und einer Wartezeit von ca. 15 min. wurde ich in eine Art Sprechzimmer gerufen. Der Arzt (ich nehme an, dass es ein Arzt war; an der Kleidung war dies nicht zu erkennen) wechselte zwei Sätze mit mir und stellte mich vor die Alternative, mir entweder nur Medikamente zu geben oder eine Untersuchung (Blut, Urin, Röntgen) zu veranlassen. Da ich nicht schon wieder Röntgenstrahlen ausgesetzt werden wollte und auch keinen Grund dafür sah, entschied ich mich für die Medikamente. Mein Ohr wurde nicht angeschaut, lediglich die Sprechstundenhilfe hat Fieber und Blutdruck gemessen. Ich musste mir dann eine Injektion verabreichen lassen, wobei man wenigsten so schlau war, vorher zu testen, ob ich auf den Wirkstoff vielleicht allergisch reagiere. Wie in Korea üblich, wurden mir dann die Medikamente gleich mitgegeben, natürlich nur gegen sofortige Bezahlung der gesamten Rechnung.

mein Unterarm nach dem Allergietest
mein Unterarm nach dem Allergietest

Als ich dann bemerkte, dass ich nur für 3 Tage ein Antibiotikum, einen Termin für den HNO-Arzt aber erst in 5 Tagen bekommen hatte, ging mir auf, dass hier etwas gewaltig schief zu laufen beginnt. Mein Einwand, dass es nicht reicht, ein Antibiotikum nur 3 Tage lang zu nehmen, wurde abgebügelt mit der Bemerkung, dass das in Korea so üblich sei. Nun war guter Rat teuer, aber zum Glück habe ich am Nachmittag die richtigen Leute angerufen und um Rat gefragt. Ich war dann im Besitz der Telefonnummer und e-mail-Adresse der Leiterin der Internationalen Klinik innerhalb des Krankenhauses (die hatten mich am Morgen abgewiesen).

Durch diesen Kontakt war es dann möglich, dass ich heute - und nicht erst am Montag - zu einem HNO-Arzt vorgelassen wurde. Ich war ganze 3 Minuten im Sprechzimmer und es ist und bleibt ein Rätsel, wieso das gestern nicht möglich war. Auf die Medikamente mussten wir dann zwar mehr als eine halbe Stunde warten, durften aber bei der Klinikchefin im Zimmer sitzen. Nun hatte ich, was ich wollte: die Untersuchung durch einen Spezialisten und ausreichend Medikamente, nur eben einen Tag zu spät und, was viel schlimmer ist, nur durch Beziehung.
Noch etwas zu diesem Krankenhaus: das St. Mary's gehört zur Katholischen Universität von Korea und ist ein riesiges Wirtschaftsunternehmen. Es ist mit 1335 Betten und 4000 Beschäftigten das größte Krankenhaus im Land. Alles ist sehr modern und hochtechnisiert, aber wo das Wohl des Patienten bleibt, konnte ich ja selbst erfahren.

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