Do

02

Okt

2014

Bloß nicht krank werden !

St.Mary's Hospital
im St.Mary's Krankenhaus

Bisher war ich der Ansicht, dass man im Krankheitsfall in Seoul gut aufgehoben sei. Schließlich hat ja Südkorea ein funktionierendes Gesundheitssystem mit modernen Kliniken und gut ausgebildeten Ärzten. Gestern musste ich mich aber eines Besseren belehren lassen.
Eigentlich wollte ich vermeiden, hier noch einmal eine Klinik aufsuchen zu müssen, aber eine sehr schmerzhafte Ohrentzündung zwang mich doch dazu.
Los ging´s damit, dass wir bei zwei Kliniken abgewiesen wurden (Jürgen hatte angerufen) mit der Begründung, dass kein Termin mehr frei wäre bzw. kein HNO-Arzt verfügbar. So blieb uns nichts anderes übrig, als im St. Mary's Krankenhaus, wo ich schon einmal beim Arzt war, die Notfallaufnahme aufzusuchen. Nach anfänglichen Verständigungsschwierigkeiten und einer Wartezeit von ca. 15 min. wurde ich in eine Art Sprechzimmer gerufen. Der Arzt (ich nehme an, dass es ein Arzt war; an der Kleidung war dies nicht zu erkennen) wechselte zwei Sätze mit mir und stellte mich vor die Alternative, mir entweder nur Medikamente zu geben oder eine Untersuchung (Blut, Urin, Röntgen) zu veranlassen. Da ich nicht schon wieder Röntgenstrahlen ausgesetzt werden wollte und auch keinen Grund dafür sah, entschied ich mich für die Medikamente. Mein Ohr wurde nicht angeschaut, lediglich die Sprechstundenhilfe hat Fieber und Blutdruck gemessen. Ich musste mir dann eine Injektion verabreichen lassen, wobei man wenigsten so schlau war, vorher zu testen, ob ich auf den Wirkstoff vielleicht allergisch reagiere. Wie in Korea üblich, wurden mir dann die Medikamente gleich mitgegeben, natürlich nur gegen sofortige Bezahlung der gesamten Rechnung.

mein Unterarm nach dem Allergietest
mein Unterarm nach dem Allergietest

Als ich dann bemerkte, dass ich nur für 3 Tage ein Antibiotikum, einen Termin für den HNO-Arzt aber erst in 5 Tagen bekommen hatte, ging mir auf, dass hier etwas gewaltig schief zu laufen beginnt. Mein Einwand, dass es nicht reicht, ein Antibiotikum nur 3 Tage lang zu nehmen, wurde abgebügelt mit der Bemerkung, dass das in Korea so üblich sei. Nun war guter Rat teuer, aber zum Glück habe ich am Nachmittag die richtigen Leute angerufen und um Rat gefragt. Ich war dann im Besitz der Telefonnummer und e-mail-Adresse der Leiterin der Internationalen Klinik innerhalb des Krankenhauses (die hatten mich am Morgen abgewiesen).

Durch diesen Kontakt war es dann möglich, dass ich heute - und nicht erst am Montag - zu einem HNO-Arzt vorgelassen wurde. Ich war ganze 3 Minuten im Sprechzimmer und es ist und bleibt ein Rätsel, wieso das gestern nicht möglich war. Auf die Medikamente mussten wir dann zwar mehr als eine halbe Stunde warten, durften aber bei der Klinikchefin im Zimmer sitzen. Nun hatte ich, was ich wollte: die Untersuchung durch einen Spezialisten und ausreichend Medikamente, nur eben einen Tag zu spät und, was viel schlimmer ist, nur durch Beziehung.
Noch etwas zu diesem Krankenhaus: das St. Mary's gehört zur Katholischen Universität von Korea und ist ein riesiges Wirtschaftsunternehmen. Es ist mit 1335 Betten und 4000 Beschäftigten das größte Krankenhaus im Land. Alles ist sehr modern und hochtechnisiert, aber wo das Wohl des Patienten bleibt, konnte ich ja selbst erfahren.

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Mo

15

Sep

2014

Eine Oase der Stille

Seoul Museum, Garten
Im Garten des Seoul Museums

Das Schöne an einer Großstadt wie Seoul ist, dass es immer etwas zu entdecken gibt. So nutzten wir den schönen spätsommerlichen Sonntag für den Besuch des Seoul Museums in der Nähe des nördlichen Abschnitts der Seouler Festungsmauer. Das Gebäude hatten wir schon vor einiger Zeit entdeckt; der moderne Bau fällt einem sofort ins Auge, wenn man durch diesen, hauptsächlich mit kleinen älteren Häusern bestandenen Stadtteil schlendert. Nach meinem Empfinden ist die Hauptattraktion des Museums das oberhalb des Gebäudes liegende weitläufige Gelände mit einem Garten sowie historischen Gebäuden. Da man dorthin aber nur mit einer Eintrittskarte für das Museum gelangt, erwarben wir diese und schauten uns auch erst einmal die aktuellen Ausstellungen an, bevor wir vom 3. Obergeschoss aus den Garten betreten konnten. Es war überwältigend ! Wir befanden uns plötzlich über der Stadt und konnten auf die umliegenden Berge schauen. Und es war herrlich still.
Leider konnte man die ehemalige Residenz von Yi Ha-eung, dem Vater von König Gojong (spätes 19. Jahrhundert) nur von außen anschauen, aber auf dem Gelände, über das wir einen Spaziergang machten, stehen außerdem noch ein Pavillon sowie eine Pagode und es ist von gewaltigen Felsen begrenzt. So war unser Ausflug ein interessantes und abwechslungsreiches Kunst-, Kultur- und Naturerlebnis.

 

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Fr

11

Jul

2014

Wo die Sonne aufgeht...

Homigot, Tigerstatue
Tigerstatue auf Homigot

... zumindest für die Koreaner, waren wir am letzten Juniwochenende.

Aber der Reihe nach. Am Samstag hatten wir erst einmal eine Strecke von ca. 300 km nach Südosten zurückzulegen, bevor wir um die Mittagszeit bei unserem ersten Ziel ankamen, einem Haus im traditionellen Stil aus dem Jahr 1532. Leider konnten wir nur einen kleinen Teil des Grundstücks betreten, da das Anwesen als Pension genutzt wird. Aber schon allein das, was wir von außen sehen konnten sowie die wunderschöne Umgebung war die Anfahrt wert gewesen. Wir blieben dann auch am Nachmittag zunächst im Gebiet von Gyeongju, wo wir schon im Oktober 2012 einmal gewesen waren. Diesmal war das Wetter bedeutend schöner und wir nutzten die Gelegenheit für einen nochmaligen Rundgang durch das Yangdong Folk Village. Bei Sonne sah das doch alles viel schöner aus ! Allerdings war es auch sehr anstrengend, in der Sonne, bei 30°C die steilen Wege im Dorf zu bewältigen. Aber es wartete ja eine Erfrischung auf uns. Unser nächstes Ziel war die Stadt Pohang, die zwar ein Zentrum der Schwerindustrie ist, aber auch schöne Strände hat. Und so nahm ich in diesem Jahr mein erstes Bad in der "Ostsee" - sehr erfrischend.
Die Nacht verbrachten wir dann in einem netten kleinen Hotel in Pohang. Dessen Nähe zum Busbahnhof brachte es mit sich, dass wir keinerlei Probleme hatten, etwas zum Abendessen zu finden.

Um den östlichsten Punkt der Koreanischen Halbinsel aufzusuchen, wäre natürlich die Zeit des Sonnenaufgangs am besten gewesen. Aber die Sonne ging um 5:16 Uhr auf und das war uns zu früh. So fuhren wir am Sonntagmorgen erst einmal zum Tempel Oeosa. Diesen im Morgenlicht und bei zu dieser Zeit noch strahlend blauem Himmel zu sehen, war sehr beeindruckend. Dann endlich machten wir uns auf den Weg nach Homigot. So heißt die Halbinsel, die den östlichsten Punkt von Korea darstellt. "Homigot" setzt sich aus den Silben "ho" für Tiger, "mi" für Schwanz und "got" für kleiner Hafen zusammen. Die Form der Koreanischen Halbinsel wird als Tiger und die Insel Homigot als der zugehörige Schwanz gesehen. Deshalb steht dort, unweit des Leuchtturms - dem Wahrzeichen der Halbinsel - auch eine Tigerstatue.

Heutzutage ist Homigot für sein Sunrise Festival bekannt, das seit 1999 jährlich zu Neujahr gefeiert wird. Als wir dort unsere Besichtigungsrunde beendet hatten, ging´s auf zur Tempeltour. Wir schafften es, an diesem Sonntagnachmittag drei Tempel zu besichtigen und auf einen Berggipfel zu einer steinernen Buddhastatue hochzusteigen. Als wir letzteres in Angriff nahmen, wussten wir zum Glück nicht, was auf uns zukommt und glücklicherweise schien die Sonne nicht mehr. Die Luftfeuchtigkeit und die Anstrengung bei der Überwindung von 200 Höhenmetern reichten aber aus, dass wir völlig verschwitzt beim Buddha ankamen. Oben wehte dann ein frischer Wind und die ganz besondere Atmosphäre an diesem Pilgerort sowie der Blick auf die umliegenden Berge und Wälder ließen uns die Beschwerlichkeit des Aufstiegs bald vergessen. Unser letzter Eindruck, bevor wir an diesem Abend wieder Richtung Seoul fuhren, war der Anblick eines nahezu menschenleeren Tempels, wo eine Nonne die Trommel zum Abendgebet schlug.
Fotos habe ich eingestellt in die "Galerie- Tempel in Südkorea" sowie "Galerie Südkorea - im Land, Highlights der Provinz Gyeongsangbuk-do".

 

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Mi

04

Jun

2014

DIY

Maesil, Ansatz für Maesil Ju und Maesil-Saft
Maesil mit Zucker und Alkohol

"DIY" ist eine geläufige Abkürzung für "Do it yourself". Und hier in Korea gibt es so Einiges, was nur nach der DIY-Methode zu bekommen ist und was ich demzufolge auch alles selbst herstelle: Joghurt ohne Zusatz, Quark, Brot mit Sauerteig und ohne Zucker. Und gerade haben wir auch zum vierten Mal die Früchte für Pflaumenlikör und -saft angesetzt.

In Japan, wo wir zuerst damit Bekanntschaft geschlossen haben, heißen die Früchte "Ume", in Korea "Maesil". Ich habe mich schlau gemacht und gelesen, dass die sogenannten Pflaumen eher mit der Aprikose verwandt sind als mit den uns bekannten Pflaumen. Deshalb ist auch oft von "japanischer Aprikose" die Rede.

Der Pflaumenlikör (Maesil Ju), den wir in circa einem halben Jahr abfüllen können, ist ein Genuss und soll noch dazu gesund sein. Der Extrakt ohne Alkohol - es ist eine Art Sirup - wird in Korea als Hausmittel geschätzt, vor allem bei Magenbeschwerden. Den Pflaumensirup mit Wasser aufgegossen ergibt Maesil Cha und wird warm oder kalt, vor allem nach dem Essen, gern getrunken.

Nun müssen wir nur noch die Leute von der Umzugsfirma überreden, dass sie unser kostbares Getränk im Dezember mit in den Container packen. Dann kann im nächsten Jahr noch einmal und zum letzten Mal DIY-Pflaumenlikör genossen werden.

Unten sind ein paar Fotos aus dem Rosengarten im Olympia Park zu sehen, wo wir letzten Samstag waren.

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Do

22

Mai

2014

Tradition und Moderne

Ansan Oeam Folk Village
im Ansan Oeam Folk Village

Gegensätzlicher hätten unsere Ausflugsziele am letzten Wochenende nicht sein können. Wir hatten uns einen Tagesausflug mit verschiedenen Besichtigungspunkten zusammengestellt und fuhren zunächst Richtung Asan, eine Industriestadt, 100 km südlich von Seoul in der Provinz Chungcheongnam-do gelegen. Ein Stück außerhalb der Stadt wurde eine Siedlung aus 86 traditionellen Häusern erhalten und aufwändig restauriert - das Asan Oeam Folk Village. Es wurde vor über 500 Jahren von einer Adelsfamilie gegründet und einige Nachkommen der Gründerfamilie leben noch heute hier. Da die Häuser - alle über 100 Jahre alt - bis auf wenige Ausnahmen bewohnt sind, konnten wir zwar zwischen den Grundstücksmauern entlangbummeln und auch das eine oder andere Grundstück betreten, aber ein Einblick in die Häuser war nicht möglich. Enttäuschend für uns war die Tatsache, dass die zwei koreanischen Gärten, die sich dort auf den Grundstücken befinden, für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sind.
Unseren zweiten Halt machten wir am Tempel Sudeoksa, der am südlichen Hang des Deoksung Berges, ca. 70 km südwestlich von Asan liegt. Schon bei der Ankunft sahen wir, dass sich dieser Tempel großer Beliebheit erfreuen muss. Hatte sich doch ein richtiges Tempelstädtchen mit vielen Restaurants und Souvenirshops etabliert. Das ist nicht immer so. Schon an so manchem Tempel war es nicht möglich, etwas zu essen zu bekommen. Mehr über diesen Tempel ist in der "Galerie - Tempel in Südkorea" zu erfahren.

Als wir gegen 17 Uhr das Tempelgelände verließen, hatten wir 120 km bis Songdo vor uns, wo wir den Abend verbringen wollten. Über diese neue Stadt, die unweit des Flughafens Incheon entsteht, hatte ich an dieser Stelle bereits berichtet. Leider mussten wir auf der Autobahn mit ansehen, wie die Sonne als Feuerball unterging - es war mal wieder Stau. Ich konnte gerade noch das letzte Licht mit meiner Kamera einfangen, als wir nach 19:45 Uhr endlich das Auto am Central Park in Songdo geparkt hatten. In der benachbarten Canal City, einer Einkaufsmeile mit einer künstlichen Wasserstraße, fanden wir dann die Bewohner von Songdo beim Shoppen und Dinieren. Die Restaurants waren so gut besucht, dass wir uns an anderer Stelle etwas für das Abendessen suchen mussten. Alles, was neu und modern ist, findet eben Anklang bei den Koreanern, auch wenn man die gleichen Geschäfte und Restaurants anderswo auch antrifft.

Songdo ist am Wachsen und bald wird es eine andere, neuere Attraktion geben - ein Grund zum Wiederkommen.

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Mo

14

Apr

2014

Kaffee, Kunst, Kirschblüten

Garden of Ho-am Art Museum
im Garten des Ho-am Kunstmuseums

Das mich das Thema "Kaffee" hier in Korea interessiert, ist zumindest denjenigen bekannt, die sich schon mal meine Fotos der verschiedenen Cafés in Seoul angeschaut haben. Da kam die Seoul Coffee Expo, die wir letzten Samstag besuchten, wie gerufen, um sich noch auf anderer Ebene mit diesem Thema zu beschäftigen.

Ich hatte nicht die geringste Ahnung, was mich auf dieser Messe erwarten würde und ließ mich überraschen. Zunächst war sie gut besucht und vor allem junges Publikum - eben der Teil der Bevölkerung, der auch den größten Anteil der Cafébesucher ausmacht - strömte in die Hallen. Dort fand man all das vor, was man als privater Kaffeekonsument oder Cafébetreiber so benötigt: Kaffeemaschinen aller Größenordnungen und Preisklassen, sämtliches Zubehör von der Röstmaschine bis zum Geschirr, natürlich Kaffeebohnen und-pulver sowie Tee und Fertigprodukte für Mixgetränke. Nicht wenige Hersteller der genannten Produkte aus dem Ausland versuchen, auf dem wachsenden koreanischen Kaffeemarkt Fuß zu fassen. So war Tchibo mit einem Stand vertreten und präsentierte seine Kapselmaschine "Cafissimo".

Auf einer Verbrauchermesse muss es selbstverständlich auch Kostproben geben (die Koreaner stellen sich dafür gern und lange an) und da wir aus der Besuchermasse optisch herausragten, war es für uns auch nicht schwierig, solche zu erhaschen. Als wir nach zwei Stunden die Messehalle wieder verließen, war mir aufgrund der zugeführten Koffeinmenge doch etwas schummrig zumute.

 

Am Sonntag hatten wir dann ein Ziel, das optischen Genuss versprach: das Ho-am Kunstmuseum. Das Museum, ca. 40 km südlich von Seoul gelegen, beherbergt die private Kunstsammlung des Gründers der Samsung-Gruppe Byung-chull Lee. Die Exponate sind eine schöne Auswahl traditioneller koreanischer Kunst: Malerei, Kalligraphie, Keramiken, Möbel sowie buddhistische Kunst. Aber am Sonntag war das Gelände, auf dem das Museum in den Jahren 1976-78 erbaut wurde, weitaus mehr gefragt. Im Hee Won, einem traditionellen koreanischen Garten mit einer Fläche von 66.446 m², der im Mai 1997 fertiggestellt wurde, blühte es an allen Ecken und Enden. Was uns am meisten überraschte und erfreute, waren die vielen Kirschbäume, die noch in voller Blüte standen. Damit hatten wir nicht mehr gerechnet, aber außerhalb der Stadt sind die Temperaturen eben doch etwas niedriger und so konnte sich die Kirschblüte länger halten als in Seoul.

Fotos vom Ho-am Museum und Garten gibt es in der "Galerie Südkorea - im Land" zu sehen.

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Do

10

Apr

2014

Blütenrausch

Jinhae Cherryblossoms
oberhalb von Jinhae

Was für ein ungewöhnliches Frühjahr ! Es ist noch nicht einmal Mitte April und die Kirschblüte ist schon wieder Geschichte. Weil diese so früh und unverhofft begann und innerhalb weniger Tage vorbei war, hatte ich in diesem Jahr kaum Gelegenheit, die verschiedenen Plätze mit Kirschbäumen in Seoul zu besuchen. Dafür wurde ich vergangenes Wochenende mit dem Anblick Tausender blühender Kirschbäume belohnt.
Jinhae, im Süden des Landes, ist die Kirschblütenstadt Südkoreas und die Fahrt dorthin hatten wir lange im Voraus geplant - mit der Hoffnung, zur rechten Zeit dort zu sein. Aber nicht nur in Jinhae, wo sich zur Zeit des alljährlich stattfindenden zehntägigen Festivals mehr als eine Million Besucher einfinden, stehen unzählige große, alte Kirschbäume. Auch in Changwon, der Provinzhauptstadt von Gyeongsangnam-do, wo wir übernachtet haben, sind die Straßen zu beiden Seiten kilometerlang mit Kirschbäumen gesäumt. Was für ein Anblick !

Am Samstag machten wir unseren ersten Besichtigungshalt im Seongju Hangae Folk Village. Ein Ort wie aus einer anderen Zeit mit nett anzusehenden traditionellen Häusern. Die freundliche Dame am Informationskiosk entschuldigte sich unter mehreren Verbeugungen dafür, dass sie nicht Englisch spricht, aber ansonsten sahen wir, bis auf ein paar Männer, die eine Mauer rekonstruierten, keinen Menschen.

Menschen hatten wir dann in Jinhae mehr als genug, erst am Samstagabend, als wir uns ca. 4 Stunden dort aufhielten, um an verschiedenen Stellen die Kirschblüten zu bewundern, und dann am Sonntagvormittag, als wir erst ein Stück die Anmin Bergstraße oberhalb des Ortes unter Kirschbäumen flanierten, und später am Bahnhof von Gyeonghwa, wo Tausende darauf warteten, einen Zug unter Kirschbäumen entlangfahren zu sehen. Es hätte noch viel mehr Stellen mit schön blühenden Kirschbäumen gegeben, aber irgendwann ist dann doch genug und wir besichtigten am Sonntag lieber noch zwei Tempel, darunter den Tongdosa, Haupttempel des Jogye-Zweigs des koreanischen Buddhismus sowie einer der "drei Juwelen" unter den Tempeln Koreas. Gegründet im Jahr 646 ist der Tongdosa heutzutage der größte Tempel in Korea. Ein schöner Ort, an dem es viel zu entdecken gibt und wo wir uns gut zwei Stunden aufhielten, ohne zu bemerken, wie die Zeit vergeht.

Auch wenn die Heimfahrt wegen des unausweichlichen Staus kein Vergnügen war, hat sich die Fahrt in den Süden doch gelohnt und uns wieder unvergessliche Eindrücke beschert. 

Fotos von der Kirschblüte gibt es in der "Galerie Südkorea - im Land".

 

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Sa

29

Mär

2014

Großartig, umwerfend, grandios, spektakulär,...

Dongdaemun Design Plaza in Seoul
Dongdaemun Design Plaza

... das sind Attribute, die einem in den Sinn kommen, wenn man die neuesten architektonischen Kreationen in Seoul oder auch in anderen Gegenden Südkoreas zu Gesicht bekommt. Ich hatte in den letzten Tagen die Gelegenheit, zwei dieser herausragenden Bauwerke international anerkannter Architekten erstmalig zu besichtigen.
Das neueste Highlight in Seoul ist der Dongdaemun Design Park & Plaza (Dongdaemun ist der Name eines Stadttores und bezeichnet auch eine Gegend in der Altstadt), welcher am 21. März eröffnet wurde. Entworfen von Zaha Hamid, einer britischen Architektin mit irakischen Wurzeln, wurde auf dem Gelände des abgerissenen Dongdaemun Stadions in knapp 5 Jahren ein Gebäude mit 85.000 m² Raum geschaffen, das gleich einer Wolke in dem 30.000 m² großen Park, dem Dongdaemun History and Culture Park, thront. Beeindruckend ist nicht nur die Form des Gebäudes mit den begrünten Dächern sondern auch die Fassade, die aus 45.000 maßgeschneiderten Aluminiumpanelen besteht. Seine Nutzung ist ganz auf das Thema "Design" ausgerichtet und das erste Event nach der Eröffnung war die Seoul Fashion Week
.

Ein völlig anderes, wenngleich nicht weniger imposantes, Erscheinungsbild gibt das Hansol-Museum (Hansol ist eine Firmengruppe, u.a. bekannt für Papierherstellung) bei Wonju (ca. 80 km östlich von Seoul) ab. Das Museum, innerhalb von 7 Jahren für die private Kunstsammlung des Hansol-Gründers In-Hee Lee erbaut, wurde vom japanischen Architekten Tadao Ando entworfen und hat am 16. Mai 2013 seine Tore geöffnet. Hier wird nicht nur Kunst innerhalb der Museumsräume gezeigt, sondern das gesamte, 70.000 m² große Gelände ist Kunst; das Gebäude ist von drei Gärten umgeben - dem Blumengarten, dem Wasser- und dem Steingarten - in denen auch Kunstwerke ihren Platz gefunden haben. Weil hier die Außenanlagen einen großen Einfluss auf den Gesamteindruck haben, werde ich wohl auch noch zu anderen Jahreszeiten dem Museum einen Besuch abstatten müssen. Das rote Blumenmeer im Frühsommer muss eine Augenweide sein.

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So

16

Feb

2014

Mondverehrung

Daeborum Seocho-gu
Vollmondfestival am Yangjaecheon

Wenn mich vor zwei Wochen jemand gefragt hätte, was der Begriff "Daeborum" bedeutet, hätte ich darauf keine Antwort gewusst. Denn erst jetzt, im dritten Jahr unseres Korea-aufenthaltes, haben wir von dieser Tradition, die das koreanische Volk seit Jahrhunderten pflegt, erfahren und konnten - zumindest teilweise - auch dabei sein. "Daeborum" heißt "Großer Vollmond" und bezeichnet sowohl den ersten Vollmond im Neuen Jahr nach dem Mondkalender als auch das dazugehörige Fest. In diesem Jahr gab es den ersten Vollmond nach dem Neujahrsfest am 14. Februar. Am Abend davor werden traditionsgemäß Feuer entzündet und Wünsche für den kommenden Frühling ausgesprochen. Traditionell ist Daeborum ein Brauch der Landbevölkerung. Der Winter neigte sich seinem Ende zu und man betete für eine gutes Frühjahr, in dem die Saat für die kommende Ernte ausgebracht wird. Die Feuer am Vorabend des Vollmondes wurden auf den Reisfeldern abgebrannt.

Die Lebensumstände haben sich geändert, die Reisfelder sind vielerorts Hochhaussiedlungen gewichen, aber die Wünsche der Menschen und ihre Verehrung des ersten Vollmondes im Neuen Jahr haben die Zeiten überdauert. Das Vollmondfestival, bei dem wir zugegen waren, wurde von der Stadtbezirksverwaltung Seocho-gu ausgerichtet und zwar an einem durchaus romantischen Ort, am Flüsschen Yangjaecheon.

Neben zahlreichen Essensständen war die hohe, mit Kiefernzweigen verkleidete Pyramide der Hauptanziehungspunkt an diesem frühen Abend. Wer wollte, hatte seine Wünsche auf Papierstreifen geschrieben und an der Pyramide befestigt. Bevor die Sonne unterging und der nahezu volle Mond am wolkenlosen Himmel erstrahlte, wurden noch verschiedene Riten vollzogen und all das, was später in Flammen aufgehen sollte, gesegnet.

Wir hatten uns einen Platz abseits der Menschenmenge gesucht, um einen besseren Überblick zu haben. Nachdem die Pyramide angezündet worden war, stieg zunächst eine riesige Rauchwolke, verursacht durch Brandbeschleuniger, gen Himmel. Als sich diese verzogen hatte, brannte ein ruhiges, helles Feuer vor sich hin und nahm all die Wünsche für ein glückliches Jahr mit sich.

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Di

28

Jan

2014

Reiche Ausbeute

Muuido, Hanagae Baech
am Hanagae Beach auf Muuido

Wer kommt schon auf die Idee, im Winter an den Strand zu fahren, um Muscheln zu sammeln (wenn man nicht gerade in einer tropischen Zone lebt) ? Wir hatten bisher nicht diesen Einfall, bekamen aber von Freunden den Tipp. So machten wir uns letzten Sonntag bei herrlichem Sonnenschein auf den Weg nach Muuido, eine der vielen kleineren Inseln südwestlich von Seoul, nicht weit entfernt vom Internationalen Flughafen Incheon. Und die Fahrt dorthin hat sich gelohnt. Der Hanagae Beach auf Muuido, wo wir unser Sammlerglück versuchten, ist ein schöner breiter Sandstrand und es gab Muscheln bzw. Schneckenhäuser en masse und nur wenig Leute. Im Sommer wird das Verhältnis entgegengesetzt sein. Ich mag mir gar nicht vorstellen, was dann am Strand abgeht, wo doch die Millionenstadt Incheon nicht weit weg ist.

Nachdem wir jeder eine größere Tüte mit Muscheln gefüllt hatten, waren wir doch etwas durchgefroren, drehten nur noch eine Runde durch den "Ort" und begaben uns wieder zu unserem Auto, das sich in der Sonne etwas aufgewärmt hatte.

Nach dem Programmpunkt "Natur" war nun für den Nachmittag Sightseeing geplant, wobei wir echte Superlative besichtigten.

Nachdem wir mit der Autofähre Muuido wieder verlassen hatten, fuhren wir von der Insel Yeongjongdo, auf der der Flughafen liegt, über die längste Brücke Südkoreas. Sie ist 12,3 km lang und die Stahlseilkonstruktion ist wirklich beeindruckend. Die Incheon-Brücke endet auf Neuland, dort, wo seit 2003 die Songdo New City entsteht. Der Bau dieser Stadt vom Reißbrett ist ein weltweit beachtetes Projekt, nicht nur bejubelt sondern auch umstritten. Bei der geplanten Fertigstellung im Jahr 2020 sollen dort 72.000 Menschen ein Zuhause gefunden haben und außerdem 340.000 Arbeitsplätze geschaffen worden sein. Dieses Jahr soll der 2. Bauabschnitt fertig gestellt werden und wir konnten schon einen Eindruck davon gewinnen, wie die Super City mit ihren Wohnkomplexen, Erholungsparks, Wasserstraßen, Kultur- und Einkaufszentren aussehen wird. Alles neu, alles chic und hochmodern, aber bis sie einmal eine richtige Stadt mit Flair ist, wird es wohl noch ein paar Jahre dauern.

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Do

26

Dez

2013

Bunte Lichter in dunkler Nacht

garden of Morningcalm
im Garten der Morgenstille

Üppige Weihnachtsbeleuchtung sucht man in Seoul vergebens. In großen Bürogebäuden stehen zwar beleuchtete Weihnachtsbäume, auch sind Kaufhäuser, Cafes und teilweise Geschäfte weihnachtlich geschmückt, aber Weihnachtsillumination auf öffentlichen Plätzen, so wie wir es aus Tokyo kennen, gibt es hier nicht. Allerdings gibt es ca. 60 km östlich von Seoul einen wunderschönen Garten, den "Garten der Morgenstille", der auch in der dunklen und nicht-grünen Jahreszeit versucht, Besucher anzulocken - durch farbenprächtige Beleuchtung. Diese hat zwar nichts mit Weihnachten zu tun und wird auch bis Mitte März veranstaltet, aber für uns war diese Aktion in der Adventszeit gerade willkommen. So machten wir uns am kürzesten Tag des Jahres auf den Weg und waren pünktlich zum Anknipsen der Lichter um 17.30 Uhr vor Ort - wie viele andere auch. Natürlich sind wir im Dunkeln und bei Kälte nicht sehr lange durch den Garten spaziert, aber wir haben die gesamte Beleuchtung gesehen und haben uns auch über die Koreaner amüsiert. Während ich darauf aus war, die beleuchteten Bäume zu fotografieren, wurden von den Koreanern hauptsächlich Selbstbildnisse geschossen (am liebsten mit dem Handy) oder sie haben sich in eine lange Schlange gestellt, um sich in einem der leuchtenden Herzen ablichten zu lassen, was ja nun gar nicht unserem Geschmack entspricht.

Nachdem wir im Gartenrestaurant noch ein leckeres koreanisches Abendessen zu uns genommen hatten und auch die Heimfahrt problemlos verlief, war es alles in allem ein schöner Vorweihnachtsausflug.

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Di

26

Nov

2013

Heil-Haus

Jaseng Hospital of Korean Oriental Medicine
Jaseng Klinik, Gangnam-gu

Was tun, wenn man im Ausland zum Arzt muss ? Man benötigt unbedingt einen guten Tipp. Den hatte ich zum Glück, als ich mich letzte Woche, nach einigen Tagen ständiger Kopfschmerzen, dazu durchgerungen hatte, einen Arztbesuch zu wagen. Traditionelle Medizin ist in Korea weit verbreitet und in unserem Stadtbezirk gibt es eine Internationale Klinik für Koreanische Traditionelle Medizin, die von einem Österreicher geleitet wird. Damit war die Hemmschwelle für mich sehr niedrig.

Die erste positive Überraschung erlebte ich, als ich einen Termin ausmachte. 9:30 Uhr angerufen und um 11 Uhr saß ich beim Arzt im Sprechzimmer. Davon kann man in Deutschland wahrscheinlich nur träumen.

Eine Stunde später, nach einer Akupunkturbehandlung und mit deutlich geringeren Kopfschmerzen, verließ ich die Klinik wieder. In die Apotheke musste ich nicht mehr gehen, denn meine Kräutermedizin habe ich sofort in der klinikeigenen Apotheke gekauft.

Ein weiterer Unterschied zu einem Arztbesuch in Deutschland war die Bezahlung - die Rechnung musste ich vor Ort begleichen. Die Summe erschien mir anfangs recht hoch (umgerechnet 162 €), aber eine Freundin erzählte mir später, dass meine Medizin relativ preiswert war. Die Konsultation beim Arzt hat nur 14 € gekostet (dafür stellt mir in München nicht mal jemand ein Rezept aus) und die Akupunktur einschließlich einer Kräuter-Bienengift-Injektion lediglich 23 €. Das Meiste habe ich für die goldenen Kugeln (siehe Foto) sowie ein Kräuterpulver bezahlt.

Wie man auf den Fotos erkennen kann, ist die Medizin portionsweise und aufwändig verpackt, was sich natürlich auch auf den Preis niederschlägt.

Die goldenen Kugeln kann man am ehesten mit Kaubonbons vergleichen, verständlichwerweise mit nicht ganz so gutem Geschmack. Geholfen hat die Medizin jedenfalls, meine Kopfschmerzen war ich schon einen Tag nach dem Arztbesuch los.

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Do

31

Okt

2013

Goldener Oktober - Festivalzeit

Jinju Lantern Festival
auf dem Laternenfestival in Jinju

Hier in Korea ist mir der Herbst die liebste Jahreszeit, und der schönste Monat ist der Oktober. Die Luft ist nicht mehr so feucht wie im Sommer, der Himmel meistens blau, die Temperaturen angenehm und in der zweiten Oktoberhälfte färben sich nach und nach die Bäume. Es ist auch der Monat, in dem die Koreaner scheinbar am meisten unterwegs sind. Gewandert wird sowieso und da sich die Koreaner auch gern entertainen lassen, gern essen und einkaufen, wird allerorten im Oktober ein Festival veranstaltet. Es gibt Festivals die mit Essen zu tun haben (Apfel-, Ginseng-, Maronen-, Pilz-, Beeffestival, um nur einige zu nennen) und solche mit Tradition und kulturhistorischem Hintergrund (z.B. Masken-, Laternenfestival). Wen wundert es da, dass nicht nur die Einheimischen, sondern auch wir viel unterwegs waren.
Am zweiten Oktoberwochenende sind wir in die Provinzen Gyeongsangnam-do und Jeollannam-do gefahren mit dem Ziel, in der Stadt Jinju das Laternenfestival zu besuchen. Dieses Festival ist jedes Jahr ein Anziehungspunkt nicht nur für die 350.000 Einwohner der Stadt sondern auch für viele in- und ausländische Touristen. Natürlich war es dort voll, an einem Samstagabend hatte ich nichts anderes erwartet. Das Festivalgelände, das sich über mehrere Hundert Meter an beiden Ufern des Namgang (Südfluss) sowie über das Gebiet der alten Festung erstreckte, war sehr groß, so dass sich die Massen verliefen. Und Laufen bzw. Gehen musste man wahrlich viel, wenn man all die einfallsreichen Figuren, die dort als Laternen standen, anschauen wollte. Ich habe wirklich gestaunt, was dort auf die Beine gestellt und wieviel Mühe und Liebe zum Detail in die Gestaltung gesteckt wurde.
Natürlich war der Festivalbesuch nicht unser einziger Programmpunkt an diesem Wochenende. Wir besuchten außerdem die Internationale Expo für traditionelle Medizin in Sancheong, die ebenfalls gut besucht war, sowie zwei sehenswerte Tempel. Dass wir für den Tempelbesuch einen ungünstigen Zeitpunkt gewählt hatten, merkten wir spätestens, als wir zum Haeinsa hinauffuhren. Zu diesem berühmten Tempel, der Weltkulturerbestätte ist, bewegte sich an diesem Sonntagnachmittag eine wahre Völkerwanderung. Die Tempel sind meistens von einzigartiger Schönheit und befinden sich immer an besonderen, ausgewählten Orten. Und ich finde es immer sehr schade, dass man die Atmosphäre, die von solch einem Ort ausgeht, nicht richtig auf sich wirken lassen kann. Es gab schon Ausnahmen und wir waren allein an einem Tempel. Aber sobald ein Tempel eine gewisse Berühmtheit erlangt hat, sind dort immer viele Besucher zugegen. Aber so ist es nun einmal in Korea.

Das dachten wir uns auch, als wir in diesem Jahr wieder in Busan zum Feuerwerksfestival waren. Die Menschenmassen kann man nicht beschreiben, das muss man erlebt haben - oder eben lieber nicht. Aber das Feuerwerk war grandios und ich bezweifle, dass ich Derartiges jemals in Deutschland oder irgendwo in Europa zu Gesicht bekommen werde.

Aber auch sonst ist Busan eine Reise wert. Die Stadt kann man nicht schön nennen, aber die Lage zwischen Bergen und gleichzeitig am Meer mit schönen Stadtstränden hat was.

In den verschiedenen Galerien gibt es Fotos vom Laternenfestival sowie von den besuchten Tempeln zu sehen.

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Mi

16

Okt

2013

Jejudo - koreanisches Urlaubsparadies

Halim Park auf Jeju
im Halim Park

Unsere Reise nach Jejudo, der größten koreanischen Insel (-do als Anhängsel bedeutet im Koreanischen "Insel"), hatten wir schon lange geplant und weit im Voraus die Flüge und Übernachtungen gebucht. Obwohl die Strecke Seoul - Jeju die meistbeflogene der Welt ist (es gehen täglich mehr als 60 Flüge pro Richtung), muss man, wenn man zu einer angenehmen Jahreszeit reisen will, früh dran sein. Und da wir an einem Wochenende, das durch einen Feier- und Fenstertag verlängert wurde, unterwegs waren, mussten wir ganz besonders früh dran sein. Nun, dieses Problem hatte Jürgen erfolgreich gelöst und wir konnten uns ganz lange auf die sagenumworbene Insel freuen.

"Jeju ist wie Hawaii" hieß es und "Jeju ist so ganz anders als der Rest des Landes". Den Wahrheitsgehalt dieser Aussagen konnten wir nun fast vier Tage lang, bei überwiegend sehr schönem Wetter, selbst überprüfen.

Ob es auf Jeju wie auf Hawaii ist, kann ich (noch) nicht beurteilen. Dass die Insel so ganz anders ist als der Rest von Südkorea, stimmt und stimmt auch wieder nicht.

Tatsache ist, dass die Insel durch die natürlichen Gegebenheiten einzigartig ist und man keinen vergleichbaren Flecken in Südkorea findet. Das Klima ist subtropisch (die Insel liegt 85 km südlich der Koreanischen Halbinsel), wodurch hier Südfrüchte prächtig gedeihen. Landwirtschaftliche Produkte von Jeju findet man in ganz Südkorea, was den Schluss zulässt, dass recht viel angebaut wird.

Einzigartig ist die Insel auch dadurch, dass es eine Vulkaninsel ist. Die größte Erhebung - der ruhende Vulkan Hallasan - ist mit 1950 m gleichzeitig der höchste Berg Südkoreas. Den vulkanischen Ursprung sieht man auf der ganzen Insel, sind doch Grundstücke und Felder mit Mauern aus Vulkangestein eingegrenzt.

Abgesehen von den natürlichen Besonderheiten merkt man auf Jeju recht deutlich, dass man sich in Südkorea befindet. Die beiden Städte Jeju City und Seogwipo unterscheiden sich äußerlich nicht von anderen südkoreanischen Städten vergleichbarer Größe. Auch hier wurden und werden riesige Hochhaus-Wohnkomplexe aus dem Boden gestampft und die Insel ist durchschnitten von breiten Straßen. Eben typisch koreanisch.

Uns hat es trotzdem gefallen; in den vier Tagen haben wir viel von der Insel gesehen und uns an den Naturschönheiten sowie traditionellen Bauwerken erfreut. Bleibt nur zu hoffen, dass der Schutz der Natur in Zukunft wichtiger ist als das Geschäft durch steigende Touristenzahlen.

In der "Galerie Südkorea - im Land" gibt es Fotos von der Insel zu sehen.

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Do

10

Okt

2013

Kunst und Handwerk

Craftsbiennale Cheonju

Die Ereignisse überschlagen sich und nun muss ich erstmals gegen das Prinzip der chronologischen Berichterstattung verstoßen.

Gestern (09. Oktober) sind wir schon wieder in den Genuss eines offiziellen Feiertages gekommen und wie es der Zufall wollte, war gestern auch der "Deutsche Tag" auf der Internationalen Kunsthandwerk-Biennale in Cheongju.
Cheongju, die Hauptstadt der Provinz Chungcheongbuk-do, liegt recht zentral in Südkorea, ca. 130 km südlich von Seoul. Die Stadt hat sich mit der Kunsthandwerk-Biennale, die 1999 ins Leben gerufen wurde und sich seitdem zur weltweit größten ihrer Art entwickelt hat, einen Namen gemacht.

In diesem Jahr, passend zum 130-jährigen Bestehen der Deutsch-Koreanischen Beziehungen, ist Deutschland das Gastland auf der Biennale.

Es ist kaum zu glauben, aber allein aus Deutschland haben 132 Künstler insgesamt 535 Arbeiten präsentiert.

Für die Ausstellung wurde ein idealer Platz gefunden: eine stillgelegte Fabrik, in der früher Tabak verarbeitet wurde. Es ist dort richtig viel Platz, nicht nur für die Ausstellung der unzähligen kunsthandwerklichen Arbeiten, sondern auch für großräumige Installationen, Projekte mit den Einwohnern und Workshops. 

Wir waren diesmal ausnahmsweise nicht allein unterwegs, sondern mit dem Deutschen Club, der eine Einladung zum "Deutschen Tag" erhalten hatte. So konnten wir uns ganz entspannt in den Bus setzen und genossen auf der Biennale sozusagen einen VIP-Status.

Wir waren mehr als acht Stunden auf dem Gelände, die aber wie im Flug vergangen waren. Erst haben wir uns die Ausstellung angesehen, dann an einem Workshop einer Münchner Goldschmiedemeisterin teilgenommen und schließlich dem offiziellen Teil des "Deutschen Tages" beigewohnt. Es gab ein abwechslungsreiches Kulturprogramm mit koreanischer und deutscher Beteiligung (das Weimarer Bläserquintett spielte), es wurden die üblichen Reden gehalten (vom Bürgermeister Cheongjus sowie vom Deutschen Botschafter) und uns als geladenen Gästen wurde zum Abschluss ein überwältigendes Buffet mit kalten und warmen Speisen, die ich weder alle kosten konnte noch alle aufzählen könnte, geboten.

Und da der Busfahrer sich hatte überreden lassen, so nach Seoul hereinzufahren, dass er uns in der Nähe unserer Wohnung aussteigen lassen konnte, waren wir sogar noch vor allen Anderen zu Hause.

Um auf meinen Eingangssatz zurück zu kommen: der Bericht über unseren Ausflug nach Jeju, wo wir vorher waren, wird später erscheinen.

 

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Do

12

Sep

2013

Dieses und Jenes, vor allem Schönes

Donggang Photo Museum
vor dem Donggang Fotomuseum

Das letzte Wochenende war wieder einmal sehr erlebnis- und abwechslungsreich, haben wir doch bei unserer Fahrt durch die Provinzen Gangwon-do und Chungcheongbuk-do wieder zahlreiche Facetten von Koreas Natur und Kultur gesehen bzw. hautnah erlebt. Es gab weniger Schönes - wie jedes Mal ist hier der viele Verkehr auf der Autobahn zu nennen, aber auch die Erfahrung, dass das Essen auf einer Autobahnraststätte eben mal nicht von guter Qualität ist oder dass man ein Hotelzimmer in nicht ganz so sauberem Zustand vorfindet. Aber das Meiste dessen, was uns an diesen zwei Tagen vor die Augen gekommen ist, war bezaubernd.

Unser erstes Ziel am Samstag war das Donggang Fotomuseum in der Stadt Yeongwol, ca. 160 km südöstlich von Seoul. Dort findet gerade das 12. Internationale Fotofestival statt und nicht nur die Fotos waren beeindruckend, sondern auch der Museumsbau. Das an sich schon sehr großzügig angelegte Museum, das im Juli 2005 eröffnet wurde, hat kürzlich  einen 3stöckigen Erweiterungsbau erhalten. Yeongwol ist tiefste Provinz und ich frage mich, wofür die vielen Ausstellungshallen genutzt werden, wenn das Fotofestival vorbei ist.

Nach so viel Kunst gaben wir uns dem Genuss von Natur und Traditionellem hin. Beides musste erwandert werden. Zunächst hieß es, zu einem Aussichtspunkt zu gelangen, von wo aus man auf eine Landzunge im Fluss Donggang blicken kann, die in ihrer Form und Oberfläche der Koreanischen Halbinsel ähnelt. Es war wirklich schön anzuschauen, aber dass wir dort nicht allein waren, erklärt sich von selbst.

Danach besuchten wir noch den Beobheungsa, einen über 1000 Jahre alten Zen-Tempel, dessen Gebäude malerisch an einem Berg verstreut errichtet wurden. Dort wiederum herrschte eine ungewohnte Stille - außer Vogelgezwitscher, dem Zirpen der Zikaden und dem Gebet der Mönche drang kaum ein Laut an unser Ohr.

Das sollte sich dann später am Abend - wir waren nach Wonju gefahren - auf dem Hanji-Festival ändern. Im Gegensatz zu Donnerstag, als auf dem Festivalgelände noch nicht viel los war, ging dort die Party ab. Als wir gegen 20 Uhr eintrafen, war gerade ein Konzert in vollem Gange - mit ohrenbetäubender Lautstärke (siehe Videos). Deshalb hielten wir es auch nicht lange aus, aber der eigentliche Höhepunkt für uns waren ja die zahlreichen, aus Hanji gefertigten Lampions, die nun die Umgebung in warmes Licht hüllten.

Nach einer Nacht in einem sogenannten Touristenhotel in Wonju (Nachdem wir uns beschwert hatten, wurde auch das Bad noch gereinigt.) fuhren wir über die Berge Richtung Ostküste. Diese Anblicke, wenn sich vor einem die Berghänge auftun wie auf einer chinesischen Tuschezeichnung, bezaubern mich immer wieder. Wenn man die Sünden der Zivilisation - und damit meine ich nicht bewirtschaftete Felder - ausblendet, kann man die Landschaft hier nur schön nennen.

Nach einem Abstecher zu einer stillgelegten Bahnstrecke, die jetzt für sogenannte Railbikes genutzt wird (Wir konnten leider nicht damit fahren, weil die Wartezeit zu lang war.) langten wir am frühen Nachmittag am Strand an. Diesen hatten wir fast für uns allein, die Saison war schließlich vorbei. Und weil bestes Badewetter herrschte und sowohl Wassertemperatur als auch Seegang angenehm waren, hüpften wir auch mal kurz ins Meer. Nach dieser Erfrischung suchten wir uns im nahegelegenen Samcheok ein Cafe und fuhren anschließend noch in ein wunderschönes Tal, das die Koreaner Paradiestal nennen. Für eine kurze Wanderung entlang des Flusslaufs mit Tempelbesichtigung hatten wir noch Zeit. Die Tagesbesucher machten sich nach und nach auf den Heimweg und so hatten wir den Weg fast für uns allein - welch eine Seltenheit in Korea.

Das Paradiestal haben wir uns schon mal vorgemerkt für die Laubfärbung, aber ob wir es dorthin noch einmal schaffen, ist ungewiss.

 

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Fr

06

Sep

2013

Geschichte eines Fotos

Bevor ich berichte, wie es dazu kam, dass ich mit einer Klasse koreanischer Grundschüler auf einem Foto bin, muss ich vorausschicken, wo ich gestern, als das Foto entstand, war.

Eine meiner deutschen Freundinnen ist im Juni nach Wonju gezogen. Diese Stadt mit ihren 300.000 Einwohnern liegt ca. 140 km östlich von Seoul und ist mit dem Bus in 90 Minuten (wenn kein Stau ist) zu erreichen. Und genau solch eine Busfahrt unternahm ich gestern mit einer anderen deutschen Freundin. Der Besuch in Wonju stand eh auf dem Plan und da nun dort gerade das Hanji-Festival (Hanji = traditionelles koreanisches Papier) stattfindet, hatten wir einen Grund mehr für diesen Ausflug.

Wonju ist ein Zentrum der Herstellung von Hanji, weswegen es dort auch ein Hanji-Museum gibt. Das Festival wird im Museum bzw. auf dem Gelände um das Museum herum fünf Tage lang veranstaltet. Offizieller Beginn scheint gestern erst um 15 Uhr gewesen zu sein, so dass am späten Vormittag, als wir dort ankamen, noch nicht viel los war. Nur Kinder waren zugegen und zwar unzählig viele Gruppen. Neben Kindergarten- und Grundschulkindern haben wir sogar ganz Kleine gesehen, noch keine drei Jahre alt.

Als wir uns bei den Ständen auf dem Außengelände etwas umschauten, fragte mich eine junge Frau, die mit einer Grundschulklasse gekommen war, etwas auf Koreanisch. Ich verstand etwas von "Foto machen" und nahm an, dass ich sie zusammen mit den Kindern fotografieren sollte. Als sie dann die Kinder gruppiert hatte und sich mit ihrer Kamera vor diese stellte, wurde mir klar, dass ich mit auf das Foto sollte. Eine ungewöhnliche Bitte, aber warum nicht ? Ich fotografiere ja die Koreaner, vor allem die Kinder, auch, wo es nur geht.

Wenigstens war ich so geistesgegenwärtig, einer meiner Begleiterinnen meine eigene Kamera in die Hand zu drücken, so dass ich ein schönes Erinnerungsfoto von diesem Ausflug habe.

Auf den untenstehenden Fotos sind Beispiele dafür, wie vielseitig Hanji verwendet wird, zu sehen.

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Mi

04

Sep

2013

Typisch koreanisch !

Am letzten Samstag hatten wir den Vormittag für sportliche Betätigung reserviert - und zwar vom Feinsten, nämlich mit Naturgenuss. Alles hat seinen Preis und weil wir erstens der mittäglichen Hitze und zweitens den radfahrenden Massen ausweichen wollten, machten wir uns frühmorgens auf den Weg, mit Frühstück im Gepäck. Dank unseres Radträgers für´s Auto ist es nun kein Problem mehr, außerhalb der Stadt zu radeln und so fuhren wir ein Stück auf einem neu angelegten Radweg östlich von Seoul entlang. Am frühen Vormittag waren nur wenige Radler unterwegs und wir genossen die frische Luft sowie die Ruhe. Das sollte jedoch nicht lange andauern. Als wir uns auf einer Bank mit Blick auf den Fluss Bukhangang niedergelassen hatten, um gemütlich unsere Frühstücksbrote zu verspeisen, dauerte es nicht lange, bis drei Koreanerinnen mittleren Alters anhielten und ihre Räder neben unserer Bank ins Gras legten. Zunächst wunderten wir uns, warum sie ausgerechnet an dieser Stelle hielten, aber Jürgen vermutete, dass wir auf der einzigen schattigen Bank weit und breit saßen. Nun war es mit der Ruhe vorbei. Die drei Damen stellten sich genau hinter uns und schnatterten laut drauflos. (Koreaner reden immer laut, wahrscheinlich können sie es nicht anders.) Als es uns zu bunt wurde, sagte Jürgen etwas zu ihnen, was sie aber lediglich dazu bewog, drei Schritte nach hinten zu treten; mit der Beschallung ging es weiter. Spätestens jetzt merkten wir, dass wir wieder in Korea sind. Wie wir später feststellen konnten, hatten die drei Grazien wirklich nur darauf gewartet, dass wir von der Bank aufstehen, damit sie sich selbst hinsetzen konnten.

Als wir dann am Sonntag im Norden von Seoul in einem Gebiet unterwegs waren, das wir bis dahin nur flüchtig gestreift hatten, sind uns auch wieder einige Sachen aufgefallen, die so typisch für Korea sind: die vielen kleinen Cafes, die unbeschreiblich kleinen Häuschen in den alten Wohngebieten, alte Leutchen, die am Straßenrand etwas verkaufen wollen; Menschen, ausgerüstet wie zur Alpenüberquerung, die in der größten Mittagshitze die alte Festungsmauer besteigen. Und das Verhältnis der Koreaner zum Essen wurde uns wieder allzu deutlich demonstriert, als wir an einem Restaurant vorbeikamen, vor dem geschätzte 40 - 50 Leute auf einen Platz warteten.

Aber das hat uns ja alles nicht gestört und wenn sich die Koreaner genauso verhalten würden wie wir, wäre es ja langweilig.

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So

30

Jun

2013

Das alte Korea lebt

Workshop im Hanji Museum Jeonju
im Hanji Museum in Jeonju

... in der Stadt Jeonju, 230 km südlich von Seoul. Die Hauptstadt der Provinz Jeollabuk-do blickt auf eine reiche Geschichte zurück, ist aber nur deshalb nicht in der Bedeutungslosigkeit versunken, weil es gelungen ist, einen Stadtteil mit traditionellen Häusern, den sogenannten Hanoks, vor dem Abriss zu bewahren. Die Häuser wurden aufwändig restauriert und so hat Jeonju mit dem Hanok-Dorf nicht nur eine Attraktion für in- und ausländische Touristen zu bieten, sondern gleichzeitig eine der acht slow cities in Südkorea. (Mehr über die Cittàslow-Bewegung, kann man unter http://de.wikipedia.org/wiki/Citt%C3%A0slow erfahren.)
Wir sind hauptsächlich wegen des Hanok-Dorfes nach Jeonju gefahren und wenn man dort durch die Gassen schlendert, kommt man sich wirklich vor wie auf einer Zeitreise. Das Hanok-Dorf ist nicht sehr groß und so haben wir gleich zweimal einen Spaziergang dort gemacht - zuerst zur Mittagszeit, mit Einkehr in eines der Restaurants, um das berühmte Jeonju-Bibimbap zu essen, und nach dem Abendessen, um ein paar stimmungsvolle Fotos zu machen. Zwischendurch waren wir im Hanji-Museum, welches vom größten Papierhersteller Südkoreas betrieben wird. Ich bin begeistert von Hanji (bedeutet wörtlich „Koreanisches Papier“) und so war der Museumsbesuch inklusive eigenem Papierschöpfen genau das Richtige für mich. (Interessierte können hier mehr über Hanji erfahren: http://www.hanji.de/)

Am Sonntag hat uns dann das Wetter, entgegen der Vorhersage, im Stich gelassen. Doch durch den Besuch zweier Tempel und eines Keramik-Museums hatten wir trotzdem einen interessanten Tag.

Und zwei Tage später war ich dann schon wieder in Jeonju. Der Deutsche Club Seoul, bei dem ich Mitglied bin, hatte eine Einladung zu einem Musikfestival erhalten. Eine in Jeonju ansässige Bank hatte die Einladung ausgesprochen und den Tag entsprechend organisiert. Wir wurden in Seoul mit einem Reisebus abgeholt; in Jeonju wurden wir zum Bankgebäude gefahren, wo wir von der Frau des Bankdirektors empfangen wurden und man uns ein exzellentes Mittagessen servierte. Anschließend nahmen wir am Festival im Hanok-Dorf teil und bevor der Bus zurück nach Seoul gefahren ist, gab es noch ein Abendessen in einem traditionellen koreanischen Restaurant. Ich habe mich den ganzen Tag wie eine VIP gefühlt und kann noch gar nicht glauben, dass ich all das erleben durfte, ohne auch nur einen einzigen Won dafür bezahlt zu haben.

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Fr

21

Jun

2013

Kurzurlaub im Süden

Gokseong Rosengarten
im Rosengarten von Gokseong

In Südkorea gibt es zwar nicht ganz so viele gesetzliche Feiertage wie in Japan, aber hin und wieder wird uns doch ein verlängertes Wochenende geschenkt. Diesmal war das Wochenende, bereichert um einen Urlaubstag, gleich vier Tage lang, weil der Nationale Gedenktag auf einen Donnerstag fiel.

So packten wir unsere Sachen und fuhren in den Süden - ganz in den Süden, am dritten Tag bis auf die Insel Wando, von wo aus man nur mit der Fähre auf noch weiter südlich gelegene Inseln gekommen wäre.

Unsere vielfältigen Erlebnisse und Eindrücke will ich hier nur kurz zusammenfassen, dafür gibt es umso mehr Fotos zu sehen.

- Donnerstag: Es war heiß und der Spaziergang durch den Rosengarten von Gokseong war anstrengend, aber wir wurden belohnt mit einer üppigen Blütenpracht. 1004 Rosensorten werden dort kultiviert und ein netter älterer Herr von der Information machte uns ganz stolz darauf aufmerksam, dass wir ja "unsere" Rosen zu sehen bekommen. Die meisten der angepflanzen Rosensträucher stammen nämlich aus Deutschland. Einen stimmungsvollen Tempel, den Ssanggyesa, haben wir später auch noch besichtigt.

- Freitag: wir besuchten die Internationale Gartenbauausstellung bei Suncheon. Riesig, abwechslungsreich, großartig ! Hier wurde richtig viel Geld in die Hand genommen. Unsere BUGAs können sich damit nicht messen. Etwas Ruhe genießen konnten wir dann später am Tempel Sanggwangsa. Es war dort so friedlich, dass ich mich am liebsten niedergelassen hätte, um auf den Sonnenuntergang zu warten. Aber wir hatten ja noch etwas vor. Am frühen Nachmittag hatten wir beim Vorbeifahren an einer Kulturhalle gesehen, dass am Abend ein Konzert stattfindet. Wir haben uns kurzentschlossen Karten dafür besorgt (es war kostenlos) und am Abend hatten wir koreanische Kultur live ! Eine Militärkapelle spielte klassische Musik; es gab ein Stück mit großen Trommeln, wie wir sie aus Japan kennen; ein Opernstar, eine Schlagersängerin sowie ein junger Musicalstar sind aufgetreten. Es war einfach nur nett.

- Samstag: wieder Natur. Wir bummelten über eine Teeplantage, waren am Strand, besuchten einen Tempel und fuhren dann auf die Insel Wando, die durch eine Brücke mit dem Festland verbunden ist.

- Sonntag: Inseltag. Wir haben so ziemlich alles angeschaut, was es auf der Insel Sehenswertes gibt. Zum Abschluss führte uns unser Weg an einen der schönen Strände und ich musste ausprobieren, wie nass und kalt das Wasser ist. Und es war beides.

Dann schon wieder Richtung Norden hatten wir noch ein unvergessliches Erlebnis. Wir waren gerade mit der Besichtigung des Tempels Borimsa fertig und wollten schon wieder in unser Auto einsteigen, als wir sahen, dass einer der Mönche auf uns wartete. Er wollte wissen, woher wir kommen und lud uns zum Tee ein. Da wir noch Zeit hatten, nahmen wir die Einladung an und folgten ihm in eines der Gebäude auf dem Tempelgelände. Es war eine lustige halbe Stunde mit dem Mönch. Er konnte so gut wie kein Englisch und ich habe versucht, mit meinem dürftigen Koreanisch seine Fragen zu beantworten. Das Gesicht dieses lachenden Mönches, das einfach nur Herzenswärme und Güte ausstrahlte, werde ich so bald nicht vergessen.

Fotos sind in der "Galerie Südkorea - im Land" zu finden.

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Mo

27

Mai

2013

Auch in diesem Jahr: Buddhas Geburtstag

Deokjusa in Jecheon-si
am Deokjusa (Tempel)

Wegen meiner vielen Ausflüge in den letzten Tagen (das schöne Wetter muss genutzt werden) hinke ich mit meiner Berichterstattung etwas hinterher. Nun will ich endlich über unser langes Wochenende zu Buddhas Geburtstag, der in diesem Jahr auf den 17. Mai fiel, berichten.

Los ging´s mit Stau auf der Autobahn - wie fast immer. Da hilft auch frühes Aufstehen nicht, denn das können die Koreaner auch. Zu unserem ersten Ziel, dem Hantaek Botanischen Garten, mussten wir nur knapp 70 km fahren, so dass unsere Nerven nicht allzu stark strapaziert wurden. Nach der Fahrt in der Blechkolonne war der Aufenthalt dort eine Wohltat, zumal sich der Besucherandrang in Grenzen hielt. In diesem botanischen Garten, der mit einer Fläche von ca. 40 Hektar der größte seiner Art in Asien sein soll, kann man viele seltene und vom Aussterben bedrohte Pflanzen entdecken, aber wir machten einfach einen gemütlichen, ausgedehnten Spaziergang und erfreuten uns an den vielen Blüten. Es war dann Mittag als wir weiterfuhren Richtung Jecheon, einer Stadt, die ca. 120 km südöstlich von Seoul zwischen Bergen an einem großen See liegt. Da der See erst am nächsten Tag unser Ziel war, hatten wir noch Zeit für eine Tempelbesichtigung. Der Deokjusa, etwas abseits oberhalb eines Tals gelegen, ist nicht sehr groß, blickt aber auf eine lange Geschichte zurück. Er soll bereits im Jahr 586 gegründet worden sein. Nach seiner Zerstörung im Korea-Krieg wurde er 1,7 km von seinem ursprünglichen Standort wieder aufgebaut. Es ging dort am Nachmittag recht ruhig zu, waren doch die meisten Besucher der Zeremonie zu Buddhas Geburtstag bereits abgereist. Man merkte trotzdem, dass es ein besonderer Tag war. Hat uns doch eine der freiwilligen Helferinnen einen Teller mit Melonenscheiben gereicht. So etwas ist uns auch zum ersten Mal passiert.
Was uns dann in dem Hotel passierte, wo wir übernachten wollten, war alles andere als lustig. Jürgen hatte den Ort Suanbo für eine Übernachtung ausgesucht, weil es dort heiße Quellen gibt.Für eines der zahlreichen Hotels, das auch mit der heißen Quelle wirbt, hatte er ein Zimmer gebucht und bereits bezahlt. Nun sagte man uns allerdings bei unserer Ankunft, dass kein Zimmer mehr frei sei.Wir ließen uns natürlich nicht abwimmeln und nach einigem Hin und Her fand sich dann doch ein Schlüssel für ein freies Zimmer. Ich nehme mal an, dass andere Gäste, die nach uns einchecken wollten, dann Pech gehabt haben.

Am nächsten Morgen war es dann vorbei mit dem schönen Wetter, so dass ich, als wir am See ankamen, kein gutes Licht zum Fotografieren hatte. Nun, es war auch nicht die richtige Jahreszeit für schöne Fotos; die Kirschblüte war vorbei und so richtige atemberaubende Anblicke wird es erst wieder im Herbst zur Laubfärbung geben. So konzentrierten wir uns auf den Park des kulturellen Erbes, der sich am Cheongpung See befindet. Der See ist ein großer Stausee und während des Baus des Chungju Dammes wurden in den Orten, die nach der Flutung des Tales im Jahr 1985 unter Wasser lagen, kulturhistorische Schätze (verschiedene Häuser, Versammlungshallen, Tempel und auch Buddhastatuen) zusammengetragen und in diesem Park wieder aufgebaut.

Der Nachmittag bescherte uns nicht nur Sonnenschein sondern ein ganz unerwartetes Highlight. Hatten wir doch mit dem Guinsa (Tempel), der sich in einem engen Tal der Sobaek-Berge befindet, nicht nur einen besonders großen, sondern architektonisch auch einmaligen Tempel gefunden. Dort gibt es nicht nur viele, sondern auch große mehrstöckige Gebäude, in denen gleichzeitig 10.000 Mönche beherbergt werden können. Mönche haben wir nicht so viele gesehen, dafür zahlreiche Besucher, die allerdings nicht alle die Ausdauer besessen haben, bis zum obersten Gebäude vorzudringen, von wo aus man einen unvergesslichen Blick ins Tal hat. Als Bonus gab es unzählige blühende Azaleensträucher und Hunderte farbenfroher Lampions.
Den Sonntag verbrachten wir dann wieder in Seoul. Es war Regen angesagt (der auch eintrat) und so fuhren wir nach der Besichtigung des Guinsa wieder nach Hause.

Untenstehend gibt es Bilder aus dem botanischen Garten. Die anderen Fotos dieser zwei Tage sind in der "Galerie-Südkorea im Land" (Highlights in der Provinz Chungcheongbuk-do) zu finden.

 

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Mi

15

Mai

2013

Blütentraum

Songgwangsa in Jeollabuk-do
auf dem Gelände des Tempels Songgwangsa

Eigentlich hätte ich hier die gleiche Überschrift wählen können wie für den Beitrag vom 05. April. Denn es blüht und blüht, nur dass es diesmal Unmengen von blühenden Azaleensträuchern waren, die wir auf unserer letzten Landpartie gesehen haben. Es gibt hier zwei Arten von Azaleen, einmal die "normalen", die wir auch in Deutschland haben, mit Blüten in Rot, Pink oder Weiss. Diese werden angepflanzt und man sieht sie auf Grundstücken, auf Rabatten und am Wegesrand. Es ist unglaublich, wie viele dieser Sträucher in Südkorea angepflanzt wurden ! Solch eine Blütenfülle haben wir selbst in Japan nicht gesehen. Und dann gibt es die Königsazaleen, die in einem zarten Lila blühen. Die Sträucher werden richtig hoch (bis ca. 2 m) und wachsen wild. Ganze Berghänge sind dann in diesen zarten Farbton getaucht - ein unvergesslicher Anblick.

Während wir den ersten Tag unseres Wochenendausfluges den Azaleen widmeten und auch wieder alte Tempel besuchten, wo wir fast allein waren, suchten wir am Sonntag das Bad in der Menge. Anders kann man es nicht bezeichnen, wenn man sich zu einem der größeren Festivals in Südkorea begibt. Und dazu zählt das Bambusfestival in Damyang, das in diesem Jahr zum 15. Mal gefeiert wurde, zweifelsohne. Das Festivalgelände ist zum Glück riesig, so dass sich die Besucher, die in Busladungen aus dem ganzen Land sowie der nahegelegenen Millionenstadt Gwangju anreisen, verlaufen.

Und Koreaner findet man sowieso meistens dort, wo es etwas zu essen gibt. Demzufolge konnten wir ganz entspannt über das Gelände spazieren und die unglaublich vielen Produkte aus Bambus, die man sonst hier eher selten zu Gesicht bekommt, bestaunen. Es wurde sogar eine internationale Verkaufsmesse für Bambusprodukte abgehalten.

Die Attraktion von Damyang, die man das ganze Jahr über besuchen kann, war leider etwas überlaufen. Es gibt einen schönen Bambuswald, der unbedingt einen Besuch wert ist. Wir haben uns schon vorgenommen, noch einmal in diese Gegend zu fahren, wenn es hoffentlich nicht so überlaufen ist.

Was wir bei unseren Fahrten übers Land besonders schätzen: es kann an einem Ort noch so voll sein, ein paar Kilometer entfernt, meistens auch an einem sehenswerten Ort, trifft man keinen Menschen. So konnten wir an diesem Sonntag bei einem Spaziergang durch einen kleinen Ort hin zu einem ganz reizenden Pavillon aus dem Jahr 1652, idyllisch an einem Teich gelegen, noch eine ungewohnte Stille erleben, bevor wir uns wieder auf den Heimweg machten.

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Di

07

Mai

2013

Inseltraum

Hotel "Las Flores" in Catmon, Cebu
Unsere Unterkunft - das Hotel "Las Flores"

Jeder hat so seinen Traum, wie ein tropisches Inselparadies aussehen soll. Auch ich hatte bestimmte Vorstellungen von Cebu, die - nach dem ersten Eindruck - leider nicht mit der Realität übereinstimmten. Dabei hat Cebu alles, was solch ein Inselparadies braucht: Wärme und genügend Regen, schöne Strände, eine vielfältige Flora und Fauna in einer sehr abwechslungsreichen Landschaft. Aber wenn man, wie wir, zuerst in die Hauptstadt Cebu City kommt, ist man erst einmal schockiert. Cebu City hat die Probleme aller aufstrebenden Großstädte in Entwicklungsländern: Verkehrschaos und Übervölkerung; Zeichen von Wohlstand auf der einen sowie von bitterer Armut auf der anderen Seite. In Cebu City leben inzwischen wahrscheinlich schon um die 1 Million Menschen und man muss kein Prophet sein , um vorherzusehen, dass es immer mehr Menschen in die aufstrebende Großstadt zieht.

In den ländlichen Gebieten ging es etwas gemächlicher zu als in der Hauptstadt und hier haben wir wirklich paradiesische Fleckchen entdeckt. Allein unser Hotel, ein kleines, aber schmuckes Haus, war eine Oase der Ruhe. Leider gab es dort keinen schönen Strand. Aber da wir mit unserem Mietauto beweglich waren, sind wir eben dorthin gefahren, wo es ein Genuss war, im Meer zu baden. An einem Tag waren wir bei einem Österreicher auf dem Grundstück, der zwar eine kleine Pension betreibt, aber gerade keine Gäste hatte. Wir haben uns ein paar Stunden am Wasser aufgehalten und bekamen ein köstliches Mittagessen serviert. Am nächsten Tag besuchten wir ein kleines, wunderschön angelegtes Resort, das von einem Iren und seiner philippinischen Frau betrieben wird. Hätten wir ohne Empfehlung niemals gefunden. Die Frau eines deutschen Bäckers und Restaurantbesitzers, wo wir am Vorabend gegessen hatten, hat es uns empfohlen und uns auch telefonisch angemeldet. So hatte man uns schon erwartet und mittags stand wieder ein vorzügliches Mahl bereit.

So haben wir zwar nur einen kleinen Teil der Insel gesehen, aber mehr als all die Pauschaltouristen in den Bettenburgen.

Ach ja, mein Bild von der Insel wurde dann am letzten Tag, als wir noch einmal in Cebu City waren, gerade gerückt. Ich dachte, die Menschen sind alle bitterarm und leben nur mit dem Nötigsten in halbzerfallenen Hütten. Für einen großen Teil der Bevölkerung mag das zutreffen, aber in der Stadt gibt es auch eine Mittelschicht (Reiche sowieso), die ein Leben nach westlichen Maßstäben führt. Die zwei großen Shopping-Malls, die wir aufsuchten, waren jedenfalls gut besucht (an einem Werktag) und in den Cafes und Restaurants saßen nicht nur Touristen. Und in den Malls gab es all das zu kaufen, was man hier in Seoul auch kaufen kann. Die Globalisierung lässt grüßen !

Fotos sind in der "Galerie - außerhalb Koreas" zu sehen.

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Do

25

Apr

2013

Kirschblüte 2013

Kirschblüte in Seoul, Dongjak-gu, Nationalfriedhof
Kirschblüte auf dem Nationalfriedhof

Nun ist die diesjährige Kirschblüte auch schon wieder Geschichte. Zwar blühen die Kirschbäume noch hier und da, aber heute regnet es und die nächsten fünf Tage werde ich mich nicht im Land aufhalten, so dass es nun wirklich vorbei ist mit den Kirschblütentouren. In diesem Jahr war die Zeit der Kirschblüte richtig anstrengend, was daran lag, dass ich einerseits - im Gegensatz zum letzten Jahr - viel mehr wusste über sehenswerte Kirschbäume in der Stadt und dass andererseits der Zeitraum der Blüte durch das recht kühle Wetter relativ lang war. Und so hatte ich Gelegenheit, viele dieser Stellen mit schönen Kirschbäumen aufzusuchen.

Der offizielle Beginn der Kirschblüte in Seoul war am 09. April und tatsächlich:

in der von Kirschbäumen gesäumten Straße unweit unserer Wohnung zeigte sich das erste zarte Weiß. Anderenorts waren zu diesem Zeitpunkt die Blüten noch nicht aufgeblüht, so dass wir an unserem ersten "Kirschblütenwochenende" noch nicht allzu viele Bäume in ihrem weißen oder rosa Blütenkleid sahen. Aber die Festivals waren trotzdem in vollem Gange und da die Sonne vom Himmel lachte, waren viele der Städter auf den Beinen und es störte niemanden, dass die volle Blüte noch nicht erreicht war.

Am letzten Wochenende war dann hier in Seoul an den meisten Plätzen die volle Blüte und es war demzufolge auch der höchste Besucheransturm zu verzeichnen. Wir fuhren zur Kirschblütenschau auf den Nationalfriedhof, der sich auf einem Hügel südlich des Han-Flusses befindet. Das Gelände gleicht einem großen Park mit vielen alten Bäumen, darunter auch viele große Kirschbäume. Es ging zu wie in Japan - die Menschen lagerten überall, auch schon mal zwischen Grabsteinen, um ihr Picknick einzunehmen. Wir fanden trotzdem eine ruhige Bank etwas abseits vom Trubel und konnten mit Blick auf Kirschblüten unseren Mittagsimbiss verzehren.

Wenngleich die Kirschbaumalleen während der Blüte sehr beeindruckend sind, so ist doch die Kirschblüte auf dem Nationalfriedhof etwas ganz Besonderes, weil hier nämlich auch alte Bäume einzeln stehen und es die bezaubernden Hängekirschen gibt - eben wie in Japan.

Untenstehend sind ein paar Fotos vom Nationalfriedhof am 21. April zu sehen.

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So

07

Apr

2013

Autos, cars, 자동차, 自動車

Mini auf der Seoul Motor Show
Probesitzen auf der Seoul Motor Show

Heute geht sie zu Ende, die diesjährige Seoul Motor Show. Ganze 10 Tage lang konnte man dort die neuesten Gefährte der führenden Autohersteller aus Asien und Europa bewundern.

Ich bin ja nun wirklich kein Autonarr, aber es hat mich einfach interessiert, wie es dort auf der Messe so zugeht. Was mich zuerst überrascht hat, war das Publikum: viele junge Leute und junge Familien waren dort. Was ich erwartet hatte: viele der männlichen Besucher waren mit guten Kameras und Teleobjektiven ausgerüstet. Fotografiert haben sie dann weniger die Autos als die jungen Frauen, die daneben posierten - eine dünner und langbeiniger als die andere und teilweise mit Fetzchen bekleidet, dass sie mir schon leid taten. Während die einen wegen der Models gekommen waren, hatten andere nichts Besseres zu tun, als sich in lange Schlangen einzureihen, um eine Tüte mit Aufdruck des Herstellers abzufassen. Das ist koreanische Mentalität: wenn es irgendetwas für umsonst gibt, wird sich angestellt, egal wie lang die Schlange ist. Wer´s braucht ...

Wir haben uns die Autos angeschaut und auch wenn keiner der Aussteller etwas weltbewegend Neues zu bieten hatte, so waren doch ein paar nette Modelle dabei. Ob man sich solch ein Auto leisten könnte oder wollte, ist eine andere Frage.

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Fr

05

Apr

2013

Frühlingszeit - Blütezeit - Reisezeit

Der Hwaeomsa Tempel im Jirisan-Nationalpark
Tor am Hwaeomsa

Ein ganz normaler Samstagmorgen, kein Feiertag, kein verlängertes Wochenende. Trotzdem ist die Autobahn voll, die Rastplätze, von denen es gar nicht so wenige gibt, sind überfüllt. Kann man dann doch mal auf einen Rastplatz auffahren und ergattert einen Parkplatz, findet man sich vor der Toilette in einem Pulk laut schwatzender Koreanerinnen in Wanderbekleidung wieder, weil gerade ca. 30 Reisebusse ihre Fracht ausgespuckt haben. Ehrlich, es ist kein Vergnügen !

Wenn ich es nicht besser wüsste, könnte ich denken, dass die Seouliter gerade fluchtartig die Stadt verlassen wegen der angeblichen Bedrohung aus nördlicher Richtung. Aber darüber ist hier niemand besorgt.

Es ist einfach nur Ende März und im Süden des Landes blühen bereits die Bäume. Und die Einwohner Seouls haben genauso wie wir genug vom Grau-in-Grau der letzten Monate und lechzen nach der erwachenden Natur.

So schlimm war die Fahrt nach Süden dann doch nicht und noch vor der Mittagszeit trafen wir im Jirisan-Nationalpark ein. Da wir vermuteten, dass die Mehrzahl der Reisenden zu einem der Blütenfestivals unterwegs waren und wir dort wohl keinen Parkplatz mehr bekommen würden, besuchten wir zunächst einen der empfohlenen Tempel, den Hwaeomsa. Das war eine gute Entscheidung, gab es doch im Tempelgelände viel zu entdecken- sogar blühende Bäume - und die Besucherzahl hielt sich in Grenzen. (Fotos gibt es in der "Galerie Südkorea - im Land")

Dass die Koreaner nicht gerade flexibel sind bezüglich ihrer Reiseroute, merkten wir besonders am Nachmittag. Lieber stehen sie stundenlang im Stau, um doch noch zu einem der Festivals zu gelangen, als sich anderenorts nach blühenden Bäumen umzuschauen.

Wir haben, auch ohne ein Festival zu besuchen, wunderschön blühende Bäume gesehen (sogar schon Kirschblüten, womit wir nicht gerechnet hatten) und auf einem abgelegenen Tempelgelände waren wir sogar die einzigen Besucher.

Nach einer Nacht in einer Pension fuhren wir dann doch zu einem Blütenfestival in eine Gegend, wo viele Kornelkirschen wachsen. Diese Bäume hatten wir bisher noch nicht in ihrer Blüte gesehen und das zarte Gelb, das als Sprenkel in der Landschaft leuchtete, war mal ein ganz anderer Anblick.

Was auf solch einem Festival abgeht, ist nicht so unser Ding, aber für Koreaner eben das Höchste. Also haben wir uns nicht allzu lange aufgehalten und sind noch in die Stadt Namwon gefahren, wo es einen schönen Garten gibt, der bereits im Jahr 1419 angelegt wurde. (Fotos in der "Galerie Südkorea - im Land") Mit einem Spaziergang durch den Garten, wo die Bäume bereits das erste Grün zeigten, hatten wir einen schönen Abschluss unseres Ausflugs, bevor es wieder auf die volle Autobahn ging.

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So

24

Feb

2013

Winterausflug

Winter am Bukhangang
Winter am Bukhangang

Wenn man an einem dieser herrlichen Tage, die wir in der letzten Zeit hatten, die Stadt verlassen hat, stand einem erholsamen Winterspaziergang nichts mehr im Wege. Während in Seoul von der weißen Pracht nichts mehr übrig war und man lediglich schmutzige Haufen zusammengeschobenen Schnees vorfand, konnte man auf dem Lande noch in eine weiße Winterlandschaft eintauchen.

Wir verließen die Stadt Richtung Osten und nach ca. 25 km, an der Stelle, wo  sich der Bukhangang (Fluss) und der Namhangang zum Hangang vereinen, genossen wir die Sonnenstrahlen bei einem Spaziergang in der Nähe des Flussufers.

Um noch etwas Kultur zu genießen, fuhren wir noch ca. 50 km weiter Richtung Südosten zum Tempel Shilleuksa. Der Shilleuksa wurde ungefähr im Jahr 580 gegründet und ist der einzige Tempel in Korea, der an einem Flussufer errichtet wurde.

Das Tempelgelände ist recht groß und es gibt dort einige wertvolle Kulturdenkmäler zu bewundern. Unsere Freude über diesen schönen Ort wurde allerdings dadurch getrübt, dass das gesamte Gelände eine Schlammwüste war. Die Lufttemperatur lag etwas über Null und die obere Schicht des Bodens war aufgetaut und hatte die Konsistenz von Schmierseife. Wir sahen, dass man versucht hatte, mithilfe von Sand das Chaos etwas zu mildern, aber dieses Unterfangen war nur ein Tropfen auf den heißen Stein. So müssen wir wohl noch ein weiteres Mal diesen sehenswerten Tempel besuchen, am besten im Herbst, wenn der große, 600 Jahre alte Ginkgobaum gelbe Blätter trägt.

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Di

05

Feb

2013

Winter in der Stadt

Ausblick vom Bugaksan im Norden Seouls
auf dem Bugaksan

Bevor wir nach Seoul umgezogen sind, hatte ich mich bei verschiedenen Quellen über die Stadt informiert und natürlich war dabei auch das Klima interessant für mich. Zu den Wintern in Seoul hieß es, dass diese überwiegend trocken und sonnig seien. Diese Aussage kann ich leider nicht bestätigen.

Sicher, es gibt schöne sonnige Tage, auch ein paar am Stück davon. Aber dann weht meistens ein eisiger Nordwind und es fühlt sich um 10 Grad kälter an, als das Thermometer anzeigt.

Letzten Samstag hatten wir einen der seltenen Tage, an dem es sonnig und nicht windig war. Wir haben ihn zu einem Ausflug auf einen der Berge in der Stadt, den Bugaksan, genutzt.

Wir hatten diesen Winter auch schon viele Tage mit Niederschlag - Schnee oder Regen oder eben einfach nur dieses Grau-in-Grau, wo es den ganzen Tag nicht richtig hell wird. Wenn es am Wochenende so aussieht, gehen wir eben ins Fitnessstudio bzw. in eines der vielen Museen.

Untenstehend könnt Ihr Fotos sehen, die in den letzten Tagen entstanden sind, bei schönem und nicht so schönem Wetter.

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Di

22

Jan

2013

Wintervergnügen

Die Koreaner finden immer eine Gelegenheit, sich zu vergnügen, auch im Winter. Jetzt ist die Zeit, wo an einigen Orten im Norden und Osten Südkoreas Eis- bzw. Schneefestivals stattfinden.

Da in Seoul selbst kein Schnee liegt, sind wir am Samstag nach Hwacheon gefahren (120 km nordöstlich von Seoul), wo über einen Zeitraum von drei Wochen das angeblich viertgrößte Eisfestival der Welt stattfindet.

Wir hatten unglaubliches Glück mit dem Wetter: es war ein sonniger, relaiv warmer und windstiller Tag, so dass es kein Problem war, sich einige Stunden lang im Freien aufzuhalten, um das bunte Treiben auf dem Eis zu beobachten.

Wir hatten gelesen, dass jedes Jahr 1 Million Besucher nach Hwacheon zum Eisfestival kommen und hatten großes Gedränge befürchtet. Es war zwar etwas problematisch, das Auto loszuwerden, aber dann ging es recht entspannt zu. Die Besucher hatten sich auf der riesigen Fläche des zugefrorenen Hwacheon-Flusses verteilt und außer bei den Ständen, wo man den selbst geangelten Fisch zubereiten lassen konnte, gab es keine Schlangen.

Das Eisangeln ist hier sehr beliebt und Viele sind sicher nur deswegen zum Festival gefahren. Es sind spezielle Fische, die da geangelt werden - Bergbachforellen. Man muss sich einen Berechtigungsschein kaufen, bekommt für eine bestimmte Zeit ein Eisloch zugewiesen und darf dann maximal drei Fische angeln. Wir hatten keine Lust darauf, aber es war lustig anzusehen, wie sich Hunderte von Leuten auf einer Eisfläche, die einem Schweizer Käse ähnelte, abmühten, die Fische aus dem Wasser zu bekommen. Eine weitere Attraktion war noch das Fischen mit der bloßen Hand. Zuerst wurden die Fische in ein großes Wasserloch gekippt und dann sind ein paar Mutige ins kalte Wasser gestiegen und haben die Fische wieder rausgeholt. Na ja, andere Länder, andere Sitten.

Wir haben uns jedenfalls prächtig amüsiert und haben Forelle im Restaurant gegessen.

Später waren wir noch im Ort, wo Live-Musik gespielt wurde und in einer riesigen Halle, die man in den Berg gehauen hatte, Eisskulpturen zu bewundern waren. Dort hatte man sich wirklich große Mühe gegeben und ich war überrascht von der Größe der Ausstellung und der Größe der Skulpturen. Wenn man bedenkt, dass Hwacheon eine Kleinstadt mit nicht mal 20.000 Einwohnern ist, ist es umso bewundernswerter, was dort jedes Jahr auf die Beine gestellt wird.

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Sa

12

Jan

2013

Grün - soweit das Auge blickt

Nelson, japanischer Garten
im japanischen Garten von Nelson (Südinsel)

Das wird wohl der bedeutendste Eindruck bleiben von diesem fantastischen Land mit seiner atemberaubenden Landschaft - das allgegenwärtige Grün. Ich habe es mit allen Sinnen aufgesogen und mir tief eingeprägt, denn hier in Seoul wird noch ein Vierteljahr vergehen, bis wieder etwas Grünes sprießt.

Wir hatten nicht immer schönes Wetter während unserer 22-tägigen Reise, aber überwiegend. Es gab heiße Tage (um die 30°C) und kühlere mit gerade mal 15°C sowie heftigem Dauerregen. Aber mit Regen hatten wir gerechnet, denn von allein sind die Wiesen nicht so saftig grün und der Regenwald so dicht bewachsen.

Mit einem Campervan unterwegs zu sein, war eine ganz neue Erfahrung für uns und nach dem ersten Schreck darüber, wie klein und eng unser Domizil doch ist, sind wir ganz gut damit zurecht gekommen.

An einem einzigen Tag haben wir unser Fahrzeug nicht bewegt (in Auckland am Tag nach unserer Ankunft) und haben an den anderen 21 Tagen insgesamt 3400 km damit zurückgelegt.

Wir haben viel gesehen, aber längst nicht alles, was ursprünglich auf dem Plan stand. Unsere Reiseroute haben wir unterwegs den Verhältnissen und unseren aktuellen Bedürfnissen angepasst. Schließlich wollten wir auch abseits der Straße etwas sehen, uns bewegen und auch mal ins Meer springen.

Ich habe sehr viele Fotos gemacht und werde einige Zeit brauchen, diese zu sichten. Irgendwann gibt es dann die schönsten in einem Webalbum zu sehen.

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Do

13

Dez

2012

Ein Rathaus für jedermann

Seoul City Hall
im obersten Stockwerk des Rathauses von Seoul

Seit wir in Seoul wohnen, hatten wir noch keinen Grund, das Rathaus aufzusuchen. Solche Angelegenheiten wie An- und Ummeldung erledigt man in den Verwaltungsgebäuden der Stadtbezirke.

Wo das Rathaus steht - nämlich mitten in der Stadt - wusste ich seit meinem ersten Besuch in Seoul und den großen Baustellenzaun, der den Rathaus-Neubau verborgen hat, habe ich viele Male gesehen.

Am 11. Oktober war ich dann überrascht, dass der Bauzaun weg ist, ich hatte nicht mitbekommen, dass der Neubau vollendet ist. Was für ein Bauwerk ! Und jetzt sah man auch das alte Rathaus, welches mit dem Neubau verbunden ist und bis dahin auch hinter dem Bauzaun versteckt war.

Die großartige Eröffnungszeremonie am 13. Oktober 2012, bei der das Rathaus nach einer Bauzeit von 4 Jahren und 5 Monaten offiziell übergeben wurde, ist leider auch an uns vorbei gegangen.

Aber nun steht es ja jedermann offen und Dank des "Seoul Photography Festival", das gerade u.a. im Rathaus stattfindet, führte uns unser Weg dorthin.

Von außen ist dieser mächtige Bau aus Stahl und Glas schon sehr beeindruckend, wenn man ihn betritt, bleibt einem glatt die Spucke weg.
Tja, das ist Asien, da wird geklotzt und nicht gekleckert.
Und es ist natürlich nicht nur was für´s Auge von Liebhabern moderner Architektur, sondern wohl durchdacht bzgl. des Energiekonzepts.

In der Woche ist dort sicher richtig Trubel, aber wenn man am Wochenende mal ein ruhiges Plätzchen zum Ausruhen sucht, ist das Cafe im 9. Obergeschoss genau richtig.

Und Angst vor irgendwelchen terroristischen Akten scheint hier niemand zu haben, denn reinspazieren kann jeder.

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Fr

16

Nov

2012

Geschichtsunterricht in 3D

Laternenfestival 2012 in Seoul
unter einer Brücke am Cheonggyecheon

Zur Zeit findet im Zentrum von Seoul zum dritten Mal das Laternenfestival statt, welches immer unter ein spezielles Thema gestellt ist. Ich habe mal recherchiert, was zu diesen Festivals in den beiden letzten Jahren geschrieben wurde und es stellte sich heraus, dass es von Jahr zu Jahr größer und populärer wurde. Die Laternen sind in diesem kleinen Flüsschen namens Cheonggyecheon aufgestellt, anfangs auf einer Länge von 0,9 km, inzwischen kann man 1,5 km zurücklegen und die verschiedenen Laternen bestaunen, deren Anzahl sich immerhin auf 30.000 belaufen soll. Im ersten Jahr kamen rund eine halbe Million Besucher, letztes Jahr mehr als 2 Millionen und in diesem Jahr waren es bestimmt noch mehr.

Am Tag der Eröffnung soll es schlimm gewesen sein mit den Menschenmassen und ziemlich chaotisch. Aber als wir an einem Wochentag dort waren, ging es ganz gesittet zu.

In diesem Jahr hat das Festival die Geschichte von Seoul zum Thema. Die Stadt blickt auf eine über 2000jährige Geschichte zurück und war rund 600 Jahre lang Hauptstadt des Joseon-Reiches. Die Laternen zeigen Menschen verschiedener Klassen aus vergangenen Zeiten sowie ihre Sitten und Gebräuche. Wir hatten ja schon beim Lotos-Laternenfestival Laternen in unterschiedlichster Form gesehen, aber diese beleuchteten Kunstwerke, die man am Cheonggyecheon bestaunen konnte oder noch kann, sind wirklich etwas ganz Besonderes. Ich bin schon gespannt, zu welchem Thema im nächsten Jahr Laternen ausgestellt werden.

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So

11

Nov

2012

Völkerwanderung

Seoul, Bugaksan
auf dem Berg Bugaksan (342 m)

Dass wir nicht allein sein würden bei unserem Vorhaben, an einem sonnigen Samstag im November in oder bei Seoul einen Blick auf die Laubfärbung zu erhaschen, war uns bewusst. Aber es ist schon erstaunlich, wie die eigenen Vorstellungen immer wieder von der Realität abweichen.

Schon als wir an der Einstiegsstelle zur alten Festungsmauer angelangt waren, wäre ich beim Anblick der Menschenmassen dort am liebsten wieder umgekehrt. Aber dann wurde mir klar, dass ich kein Plätzchen finden würde, wo ich Sonne, Ausblick und Laubfärbung gleichermaßen genießen könnte.

Der Abschnitt der alten Festunsmauer nördlich des Berges Bugaksan, für den wir uns entschieden hatten, war 38 Jahre lang für die Öffentlichkeit gesperrt und ist seit April 2006 zu bestimmten Zeiten begehbar. Wir mussten uns registrieren lassen und bekamen einen Besucherausweis, bevor wir mit dem Aufstieg beginnen konnten.

Der erste Teil diente eigentlich nur dazu, Höhe zu gewinnen. Über unendlich viele Stufen ging es bergan inmitten einer unübersehbaren Menschenschlange. Links die Mauer, die so hoch ist, dass zumindest ich nicht darüber schauen konnte, und rechts ist der Weg meistens durch Zäune begrenzt. Wenn es doch mal was zu Sehen gab, durfte man nicht fotografieren. Ich habe keine Ahnung, was es dort zu verbergen gibt, aber es drängte sich doch der Gedanke auf, durch militärisches Sperrgebiet zu gehen, was durch vereinzelte mit Stacheldraht gesicherte Abschnitte noch verstärkt wurde.

Als wir den schweißtreibenden Aufstieg geschafft hatten, wurden wir doch mit einer herrlichen Aussicht belohnt und auch der Weg wurde breiter, so dass man die vielen Ausflügler als nicht mehr ganz so störend empfand.

Nachdem wir den bewachten Teil des Weges verlassen hatten, fanden wir sogar ein ruhiges Plätzchen für unsere Mittagspause und machten uns dann an den Abstieg zurück in die Stadt.

Wir hatten nur eine ungefähre Ahnung, an welcher Stelle wir rauskommen würden und entdeckten sogar noch einen Schrein, von dessen Existenz wir bis dahin nichts wussten. Der Seonggyungwan Munmyo ist der wichtigste konfuzianische Schrein in Südkorea und wurde 1398 errichtet. 

Das riesige Gelände mit den vielen Gebäuden erinnerte mich an die Königspaläste in Seoul, aber an diesem Tag waren zwei hohe, ausladende Ginkgobäume, die in Goldgelb erstrahlten, die Hauptattraktion des Schreins.

Unterwegs hatten wir auch ein paar schöne bunte Bäume gesehen, aber dieser Anblick war dann doch der krönende Abschluss unseres Ausfluges. 

 

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Sa

03

Nov

2012

Say "Kimchi" ...

frischer Kimchi
Frisch zubereiteter Kimchi vor dem Einlegen

... lautet die Aufforderung in Korea, wenn man in die Kamera lächeln soll.

Warum ? Ganz einfach: Kimchi ist hier - im wahrsten Sinne des Wortes - in aller Munde. Zu einer koreanischen Mahlzeit gehört Kimchi einfach dazu.

Vergleichen kann man Kimchi mit unserem Sauerkraut, da beim Kimchi der Kohl auch milchsauer vergoren wird. Bloß der Geschmack ist vollkommen anders, da außer Salz dem Kohl noch eine Würzpaste zugegeben wird, die immer aus Chiliflocken, Knoblauch, Ingwer, Lauch und manchmal Fischsauce besteht. In jeder Region schmeckt der Kimchi anders und jede Familie hat ihr eigenes Rezept.

Als Beilage esse ich ihn ganz gern und die Tatsache, dass Kimchi sehr gesund ist und hauptsächlich im Winter deshalb gegessen wird, weil er viel Vitamine und andere gesundheitsfördernde Stoffe enthält, sollte man nicht außer Acht lassen.

Herbstzeit ist Kimchizeit, sprich die Zeit, in der der Winterkimchi zubereitet wird. Traditionell macht jede Familie ihren eigenen Kimchi und so kann man in den Supermärkten oder auf den Straßenmärkten sehen, wie die Chinakohlköpfe zuhauf und die Chiliflocken säckeweise weggeschleppt werden.

Das soziale Gefüge ist in Korea noch ein anderes als in Deutschland und so sorgt man sich sogar von offizieller Seite darum, dass die älteren Mitbürger mit einem Vorrat an Kimchi versorgt werden.

So wurde diese Woche vor dem Verwaltungsgebäude des Stadtbezirks Seocho (ganz nah zu unserer Wohnung, obwohl wir im Gangnam-gu wohnen) von vielen Freiwilligen ganz viel Kimchi zubereitet. Da auch die ausländischen Mitbürger dazu aufgerufen waren, habe ich mich an der Aktion beteiligt.

Zwei Stunden lang die halbierten Chinakohlköpfe mit Würzpaste einzuschmieren, war keine große Sache. Wir hatten unseren Spaß dabei, zumal wir durch unsere Verkleidung ziemlich witzig aussahen (siehe Foto).

Dass ich bzw. wir alle in diesem Aufzug unzählige Male fotografiert wurden, passte mir gar nicht. Ausländer beim Kimchimachen - das war ein gefundenes Fressen für die Pressefuzzis und die Obersten vom Seocho-gu können sich brüsten, wie gut die Ausländer integriert sind.

Na ja, was soll`s. Es hat einer guten Sache gedient.

Mit nach Hause nehmen durften wir auch etwas vom Kimchi. Aber der muss jetzt noch "reifen", wird also erst später verkostet.

 

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Mi

31

Okt

2012

Himmel und Hölle in Busan

Feuerwerk am Gwangalli Beach , Busan
Feuerwerk am Gwangalli Beach

Ein Besuch von Busan, der zweitgrößten Stadt Südkoreas, stand mit ganz oben auf unserer To-do-Liste, wir hatten bloß noch keinen geeigneten Termin gefunden. Als wir dann in Erfahrung gebracht hatten, dass am letzten Oktoberwochenende dort das Feuerwerksfestival stattfindet, haben wir, auf Nummer sicher gehend, Zugtickets und eine Übernachtung gebucht. Dass vielleicht das Wetter nicht passen könnte, auf die Idee sind wir nicht im Traum gekommen, so sonnenverwöhnt wie wir von diesem Oktober waren.

Die Meteorologen zeichnen sich hier nicht durch besondere Treffsicherheit ihrer Vorhersagen aus, aber mit der Vorhersage, dass es am Samstag, 27.10. landesweit regnen wird, behielten sie recht.

Die Fahrt mit dem KTX (der koreanische ICE), die für die 450 km von Seoul nach Busan nur gut 2 Stunden dauerte, war noch ganz angenehm. Aber etwas später begann das Dilemma. Es schüttete wie aus Eimern und unsere Hoffnung, dass es bald aufhören könnte, verflüchtigte sich im Laufe des Nachmittags. Wir konnten zwar schon am frühen Nachmittag im Motel einchecken, aber dort den Rest des Tages zu verbringen, war natürlich keine Option. Also auf ins Museum. Schließlich fand ja gerade die Busan Biennale statt und solch eine international beachtete Ausstellung konnte man sich ja mal ansehen. Auf dem Weg dorthin wurden unsere Schuhe geflutet, da das Wasser knöchelhoch auf den Straßen stand. Tolle Aussicht, die nächsten Stunden mit nassen Füßen durch die Gegend zu laufen !

Nebenbei bemerkt hat uns die Biennale nicht vom Hocker gerissen, das Verständnis für moderne Kunst geht uns ab, aber wenigstens waren wir im Trockenen. Als wir dann von offizieller Seite erfahren hatten, dass das Feuerwerk auf Sonntagabend verschoben wurde, beschlossen wir, den Abend in "Centum City", dem, laut Guinessbuch der Rekorde, größten Kaufhaus der Welt, zu verbringen. Nach Shoppen stand uns nicht der Sinn, aber wie vermutet, fanden wir dort einen Food Court sowie ein Kino. Nach leckeren Singapore Nudeln, die wir mit Blick auf die bevölkerte Eisbahn genossen, machten wir es uns 2,5 Stunden im Kinosessel bequem und ließen "007" um sein Leben kämpfen bzw. seinen Widersacher bekämpfen. So haben wir diesen Samstag trotz aller Widrigkeiten zwar nicht wie geplant aber trotzdem ganz gut rumgebracht.

Am Sonntag lachte uns dann ein blauer Himmel an, als ob nie ein Wölkchen ihn trüben könnte, und wir konnten endlich mit unserem Besichtigungsprogramm starten. Ein Bus brachte uns zum am Meer gelegenen Haedong Yonggung Tempel, wo wir vor lauter Menschen Mühe hatten, etwas von der Tempelanlage zu sehen. Das war schon mal ein kleiner Vorgeschmack darauf, was uns dann am Abend erwartete.

Den Nachmittag verbrachten wir dann ganz gemütlich mit einem Spaziergang am Haeundae Strand und der angrenzenden Dongbaek Halbinsel. Wir haben nur einen kleinen Teil der Millionenstadt gesehen und der hat uns ausnehmend gut gefallen. Um die Lage am Meer beneide ich die Menschen dort schon.

Aber wir hatten ja noch den Besuch eines anderen Strandes, des Gwangalli Strandes, wo das Feuerwerk stattfand, vor uns. Vom Strand selbst haben wir allerdings nicht viel gesehen. Mehr als zwei Stunden vor Beginn des Feuerwerks waren wir dort und hatten Schwierigkeiten, ein Plätzchen zu finden, wo man einigermaßen bequem sitzen konnte und noch dazu eine gute Sicht hatte.

Offiziell ist die Rede von mehr als 1 Million Besuchern; vorstellen kann man  sich die Massen eigentlich nicht, man muss sie gesehen haben.

Nun fragt sich sicher der Eine oder Andere, wieso wir uns das Feuerwerk ansehen konnten, obwohl wir am Abend sicherlich schon auf der Rückfahrt sein wollten.

Unser Zug zurück nach Seoul wäre am Sonntag um 17.30 Uhr gefahren, wir konnten aber die Sitzplatzreservierung tauschen für den Zug um 22.00 Uhr. Das war noch eine annehmbare Zeit, hieß aber, dass wir das Feuerwerk, das 50 min. dauerte, nicht bis zum Schluß anschauen konnten.

Wären wir nicht vorzeitig aufgebrochen, um eine U-Bahn zum Hauptbahnhof zu erwischen, wären wir aufgrund der Menschenmenge niemals rechtzeitig zu unserem Zug gekommen.

Das Feuerwerk war gigantisch. Neben denen in Japan eines der schönsten, die ich bisher gesehen habe. Wir haben Einiges dafür auf uns genommen, aber es hat sich gelohnt.

Fotos von Busan gibt es in der Galerie und Videos vom Feuerwerk sind auch eingestellt.

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So

16

Sep

2012

the beautiful days *

Seoul Arts Center, Ausstellung von National Geographic

Was macht man an einem Sonntag, wenn der Himmel wolkenverhangen ist, der Wetter-bericht mal wieder Regen und Wind vorhersagt und man trotzdem nicht zu Hause bleiben möchte ? Unsere erste Wahl ist dann immer, eines der vielen Museen zu besuchen. Und wenn man in einer Metropole wie Seoul wohnt, hat man das Glück, dass alle Ausstellungen von Rang und Namen auch irgendwann mal hier Station machen.

Heute haben wir uns die Fotoausstellung von National Geographic im Seoul Arts Center ausgesucht.

Und im Gegensatz zur World Press Photo Ausstellung, die wir dort vor drei Wochen gesehen haben, waren diesmal keine Bilder von Krieg, Zerstörung, Elend und Armut ausgestellt, sondern ausschließlich Naturaufnahmen. Und was für Naturaufnahmen ! 177 brilliante Fotos von Tieren in allen Lebensräumen sowie von spektakulären Landschaften brachten uns zum Schmunzeln, zum Lachen und zum Nachdenken, weckten Staunen und Sehnsüchte.

Es ist erklärtes Ziel von National Geographic, die Menschen zu motivieren, für die Erde Sorge zu tragen. Ich bin der Meinung, dass man dies durchaus damit erreichen kann, indem man die Schönheit unseres Planeten in ihrer Vielfalt zeigt.

* Titel der Ausstellung

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Mo

10

Sep

2012

Reif für die Insel

Ganghwa-do, Samnangseong
am Samnangseong Fort

Zum Staatsgebiet von Südkorea gehören rund 4400 Inseln, die - bis auf wenige Ausnahmen - den Küsten im Süden und Westen vorgelagert sind.

Nicht weit von Seoul (ca. 60 km nordwestlich) liegt Ganghwa-do, mit 302,4 km² Fläche die fünftgrößte Insel Südkoreas, der wir am Samstag einen Besuch abstatteten.

Ich weiß nicht genau, was ich erwartet hatte, vielleicht ein etwas beschauliches, ländlich anmutendes Inselchen, aber genau das ist Ganghwa-do nicht. Die Insel ist durch zwei Brücken mit dem Festland verbunden und gehört zum Großraum Seoul. Und genau das sieht man auch. Ganghwa, der Hauptort der Insel gleicht vom Erscheinungsbild her jedem beliebigen Vorort von Seoul. Auch hier hat man die Landschaft mit Hochhaus-Komplexen verschandelt. Aber irgendwo müssen ja die ca. 70.000 Einwohner der Insel wohnen.

Der Schock des ersten Eindrucks legte sich, als wir ins Inselinnere fuhren. Die Häuser wurden weniger, dafür erfreuten Reisfelder das Auge und bewaldete Hügel (der höchste Berg ist 469 m hoch) luden zum Wandern ein. Eigentlich ist die Insel ein einziges Freiluftmuseum und wir erkannten bald, dass es unmöglich ist, an einem einzigen Tag all die Zeugnisse der bewegten Geschichte zu besichtigen. So haben wir uns von allem etwas rausgepickt: eine Festung, einen Palast, einen Tempel, den größten der Dolmen. Auf Ganghwa-do befindet sich eine von drei Dolmenstätten in Südkorea, die im Jahr 2000 in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen wurden.

Zum Abschluss machten wir noch einen Abstecher zum Strand, wo uns wieder eine Überraschung erwartete. Einen Sandstrand gab es, Menschen auch , und zwar nicht zu wenig. Bloß Wasser war keines da. Es war Ebbe und, so weit das Auge reichte, kein Wasser in Sicht. Die Koreaner scheinen den Gezeitenplan zu kennen, denn bei Flut wären sicher nicht so viele Menschen vor Ort gewesen - in Familie oder mit Freunden, meistens mit Zelt und immer mit Grillausrüstung. Zu Hunderten suchten sie das Watt nach essbarem Getier ab. Na ja, wenn´s Spaß macht.

Dem Watt kann ich nichts abgewinnen, aber ansonsten ist Ganghwa-do sicher mal wieder ein Ausflugsziel für uns - man muss ja nicht in die Stadt fahren.

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Do

06

Sep

2012

Sommerfrische im Osten

Gangwon-do, Chuam, Felsen
am Strand von Chuam

Am letzten Wochenende wurde mir zum ersten Mal so richtig bewusst, was das Wort "Sommerfrische" bedeutet. Denn es war genau das, was wir im Sinn hatten, als wir uns Richtung Osten auf den Weg machten: in die Sommerfrische fahren, der drückenden, feuchten Hitze der Großstadt entfliehen. Und es war frisch an der Ostküste, so frisch, dass ich befürchtete, mit meiner dünnen Bluse nicht richtig angezogen zu sein. Aber gefroren habe ich dann doch nicht, sondern die angenehmen Temperaturen genossen.

Wer regelmäßig meine Einträge hier liest, wird festgestellt haben, dass wir nun schon zum dritten Mal an die Ostküste gefahren sind. Und wir werden es sicher noch öfter tun, denn es gibt viel zu entdecken. Neben verschiedenen Nationalparks im Hinterland, die wegen der Schönheit der Natur einen Besuch wert sind, und versteckten alten Tempeln, die verschiedene Nationalschätze beherbergen, sind auch oft die kleineren Orte sehenswert, buhlen sie doch alle mit irgendwelchen Attraktionen um die Gunst der Touristen. So war unser Wochenende wieder sehr abwechslungsreich und von verschiedensten Eindrücken geprägt.

Der Besuch der beiden Tempel Guryongsa im Chiaksan Nationalpark sowie Buseoksa im Sobaeksan Nationalpark (zu letzterem gibt es eine Bildergalerie) war geplant. Ebenso hatten wir uns den Besuch des Museums "Hassla Art World" vorgenommen, in dem einerseits in einem Museumsbau und andererseits über ein riesiges, teilweise bewaldetes Areal verteilt zeitgenössische Kunst ausgestellt ist. Aber alles Andere war eben Überraschung - die Strände, ganz besonders der Chuam Strand mit den beeindruckenden Felsformationen, der Ozeanriese (ein Hotel), der auf einem Hügel über dem Strand thront, oder die überaus sehenswerte Kalksteinhöhle mitten in Donghae. Die Stadt Donghae (knapp 100.000 Einwohner), wo wir in einem recht guten Motel übernachtet haben, hat uns auch positiv überrascht - sie wirkte modern und war an diesem Samstagabend recht belebt.

Alles in allem war es wieder mal ein Wochenendausflug, der uns in guter Erinnerung bleiben wird. Und das, obwohl sich das Wetter - entgegen der Vorhersage - nicht von seiner besten Seite gezeigt hat. Mein Vorhaben, endlich mal ins Meer einzutauchen, habe ich nämlich wegen dunkler Wolken, Wind, Nebel und hoher Wellen auch diesmal aufgegeben.

(Außer den Fotos vom Tempel sind welche unter "Highlights in der Provinz Gangwon-do" - ab Foto 22 - zu sehen.)

 

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Fr

31

Aug

2012

Wetterkapriolen

Frühstück auf der Terrasse
Frühstück auf der Terrasse

Heute saß ich zum ersten Mal, seit wir wieder zurück in Seoul sind, auf unserer Dachterrasse. Über mir leuchtete der Himmel in bayrisch Blau, so dass ich ernsthaft den Gedanken hegte, der gestrige graue, gänzlich verregnete Tag sei ein schlechter Traum gewesen. Aber nein, die nassen Flecken an der Wohnzimmerdecke sind doch sehr real und zeigen, dass da eine Menge an Regen runtergekommen und nicht ab-, sondern durchgelaufen ist.

Es war nie meine Absicht, über´s Wetter zu schreiben, aber das wettermäßige Auf und Ab dieser Woche finde ich doch erwähnenswert.

Der Montag begann, wie der Sonntag geendet hat - heiß und dazu sonnig, so dass ich für den Weg zum Supermarkt meinen Sonnenschirm bemühte.

Aber das hielt nicht lange an, am Nachmittag zog es sich zu - schließlich erwarteten wir einen Taifun.

Seoul war gut vorbereitet auf Bolaven, den Taifun, der am Dienstag von Süden nach Norden über das Land zog. Die Schulen blieben geschlossen und auch wir hatten Vorsichtsmaßnahmen getroffen - die Möbel von der Terrasse geräumt und alle Fenster verriegelt - und ich setzte keinen Fuß vor die Tür. Im Süden hat Bolaven schlimm gewütet, es gab 19 Tote, aber Seoul blieb verschont. Es hat kaum geregnet und auch der Wind hielt sich in Grenzen. Glück gehabt !

 

 

Bolaven über Seoul
Blick von unserer Terrasse Richtung Süden während des Taifuns

Zum Luftholen blieb allerdings nur wenig Zeit, nämlich nur am Mittwoch, als wir ruhiges und relativ kühles Wetter hatten. Am Donnerstag traf der Taifun Tembin mit 83 Stundenkilometern auf den Südwesten des Landes, wo es 2 Todesopfer gab. In Seoul hat es zum Glück nur stark geregnet. Und nun haben wir die Ruhe nicht vor sondern nach dem Sturm. Und heiß soll es auch wieder werden, über 30°C nächste Woche. Ob das nun besser ist als Sturm und Regen ?

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Mo

27

Aug

2012

Ein Sonntag im Wald

Zugang zum Seoul Forest
Zugang zum Seoul Forest

Wir haben ein wirklich schweißtreibendes Wochenende hinter uns. Nachdem es die Tage vorher bei Temperaturen um die 25°C und einem kühlenden Lüftchen schon richtig angenehm war, zeigte uns der Sommer noch einmal, was er drauf hat. Das Thermometer kletterte über 30°C, der Wind hatte sich gelegt und die Luftfeuchtigkeit von ca. 70% machte einen Aufenthalt im Freien alles andere als angenehm. Aber nachdem wir uns am Samstag in die klimatisierten Räumlichkeiten des Seoul Arts Center geflüchtet hatten, wollten wir am Sonntag unserer Haut die Möglichkeit zur Vitamin-D-Synthese geben. Und so machten wir uns auf - so leicht bekleidet wie möglich - in den Seoul Forest. Dass es sich hierbei nicht um einen Wald, wie der Name nahelegt, sondern um eine große Parkanlage handelt, wurde mir auch erst klar, als ich dort ankam. Aber wenn ich es mir recht überlege, ist der Name "Seoul Forest" doch ganz treffend gewählt. Das 1,16 km² große Areal - eine Halbinsel, gebildet durch den Hangang und einen seiner Nebenflüsse - war in früheren Zeiten ein Jagdgrund der königlichen Familie, später befand sich hier ein Golfplatz sowie ein Pferderennplatz, bevor im Jahr 2002 der Seouler Bevölkerung dieser Park übergeben wurde. Im Vergleich zu anderen Parks der Stadt stehen hier wirklich viele Bäume, besonders der alte Baumbestand ist beachtlich. Und so haben wir auch einige Baumarten entdeckt, die uns bis dato unbekannt waren. Bei einem ausgedehnten Rundgang durch verschiedene Teile des Parks haben wir neben plantschenden Kindern, Rehen und Schmetterlingen auch viel Blühendes gesehen. Es hat eben alles seine zwei Seiten: die heftigen Regenfälle der letzten Wochen haben einerseits die uns quälende hohe Luftfeuchtigkeit zur Folge, aber andererseits auch eine tropisch anmutende Flora. Nichtsdestotrotz freue ich mich auf den Herbst. Wie wunderschön das gefärbte Laub unter einem strahlend blauen Himmel leuchten wird, kann ich mir schon gut vorstellen.

Aber noch ist es nicht soweit, jetzt heißt es erst einmal weiter Schwitzen.

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Do

28

Jun

2012

Schamanismus und andere Traditionen

Dieser Tage fand in Gangneung das Danoje-Festival statt, was für uns ein willkommener Anlass war, schon nach kurzer Zeit wieder an die Ostküste zu fahren. So konnten wir einerseits der Hitze der Stadt entfliehen und etwas Meerluft schnuppern und andererseits etwas über eine lange Tradition in Korea erfahren.

Dano ist der Name eines traditionellen religiösen Feiertags in Korea, der auf den 5. Tag des 5. Mondes im Jahr fällt. Die Zeremonien und Feierlichkeiten dauern allerdings länger; in Gangneung, wo dieses Fest in seiner ursprünglichsten Form begangen wird, feiert man 8 Tage lang. Das Ganze ist ein großes Volksfest mit einem riesigen Markt, aber selbst Uneingeweihte erkennen schnell, dass hier Traditionen gelebt werden. Kostüme, Tänze, Spiele - alles erweckt den Anschein, als ob wir in der Zeit einen großen Schritt zurückgegangen wären.

Dano markiert das Ende der Saatzeit und die religiösen Riten sind darauf ausgerichtet, die Berggeister gnädig zu stimmen, für den Schutz der Stadt und eine gute Ernte zu beten.

Sehr eindrucksvoll dargestellt wurde das durch die schamanistischen Zeremonien und die Tänze.

Schamanismus ist in Korea noch immer populär und wird fast ausschließlich von Frauen, den Mudang, praktiziert. Die öffentliche Sitzung auf dem Festival war sehr laut und farbenprächtig.

Genauso laut und farbenprächtig waren die Tänze, mit denen die Götter um ihren Beistand gebeten wurden. Da wir einen guten Platz mit hervorragender Sicht hatten, haben wir den Krach eine ganze Weile über uns ergehen lassen (als Musik konnte man dieses Getröte und Gescheppere nicht bezeichnen), denn was dem Auge geboten wurde, war doch sehr sehenswert.

Und schließlich verbrachten wir nicht das gesamte Wochenende auf dem Festivalgelände. Einen guten Ausgleich zu Menschenmassen und Lärm fanden wir an einem der schönen Strände, wo wir uns eine kühle Brise um die Ohren wehen ließen.

Am Sonntag gab´s noch ein kleines Besichtigungsprogramm, so dass wir -

wenn wir die nervige, weil staureiche, Heimfahrt mal außer Acht lassen - wieder ein sehr kurzweiliges Wochenende mit bleibenden Eindrücken verbracht haben.

Bitte auch die Videos beachten !

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Do

21

Jun

2012

Wasser, Water, 물, 水, Agua, Vand, Acqua, Vanduo,

die Maskottchen Yeony (links von mir)  und Suny
die Maskottchen Yeony (links von mir) und Suny

In diesem Jahr findet die "EXPO" genannte Weltausstellung in Yeosu, einer Hafenstadt im Süden Südkoreas, statt. Und da wir erstens neugierige Menschen sind und es zweitens nicht so weit haben, hatten wir schon vor einigen Wochen den Entschluss gefasst, die EXPO zu besuchen. Im Gegensatz zu den Asiaten dehnen wir unsere Ausflüge immer etwas aus, so dass wir nicht nur einen Tag, sondern ein ganzes Wochenende für die Expo eingeplant hatten. War eine gute Entscheidung und, ehrlich gesagt, hätte ich auch noch einen dritten Tag dort zubringen können. Aber irgendwann ist man ja mal k.o. und auch das Hirn kann nichts mehr aufnehmen an Eindrücken.

Wir hatten vorher Einiges (vor allem Negatives) gehört und gelesen über diese EXPO, die ja sooo viel besser organisiert sein sollte als die 2010 in Shanghai, dass wir mit nicht allzu großen Erwartungen dorthin gefahren sind.

Aber, um es vorweg zu nehmen, wir waren angenehm überrascht und haben zwei abwechslungsreiche Tage dort verbracht.

Das großzügige Areal liegt direkt am Wasser, was uns immer mal wieder eine frische Brise bescherte. Großflächig und trotzdem kompakt bebaut, so dass die Wege nicht zu weit sind; interessante Architektur und viele Oasen mit Schatten zum Ausruhen; und, was in Asien ganz wichtig ist (und man in Europa so eher nicht findet): es gibt unzählige Möglichkeiten zu essen und zu trinken.

Es ist ganz klar, dass uns die Ausstellungen in den verschiedenen Pavillons nicht alle vom Hocker gerissen haben, aber interessant war es allemal. Nach unserer Meinung haben sowohl Deutschland als auch die Schweiz das Thema der EXPO (der lebende Ozean und die Küste) am besten umgesetzt. Die Schweiz hat zwar keine Küste, es wurde aber sehr gut auf das Thema "Wasser und seine Bedeutung" eingegangen. Der Pavillon von Frankreich war auch nicht schlecht und die skandinavischen Länder haben auch eine ansprechende Präsentation gezeigt. Enttäuscht hat uns der Pavillon Japans (vor dem immer eine Menge Leute wartete) und die U.S.A. haben sich auch keine so große Mühe gegeben. In manchen Pavillons kam ich mir vor wie auf einer Touristikmesse, aber das waren eher die kleinen Länder, die sich einfach nur als Land vorgestellt haben.

Am Sonntag besuchten wir die beiden Pavillons, für die wir eine Reservierung hatten, aber das war doch eher ein Reinfall. Das Aquarium war ja die Attraktion auf der EXPO, hat aber nichts Besonderes zu bieten gehabt. Viele Koreaner haben sich dafür 5 oder mehr Stunden angestellt, was ich nicht verstehen kann. Aber vielleicht sind wir einfach nur verwöhnt durch das, was wir schon gesehen haben, und für die Koreaner war das Aquarium wirklich das Highlight.Wie die Meinungen dazu sind, werden wir wahrscheinlich nicht erfahren, leider.

Insgesamt hat man in den Pavillons, die vom Gastgeberland gestaltet wurden, schon gemerkt, dass man in Asien ist. Asiaten finden andere Sachen toll als wir. In dem Pavillon, in dem das Leitthema der EXPO behandelt wird, hatten wir einfach mehr erwartet als einige große Räume, in denen man sich auf den Boden setzt um eine Multimedia-Show über sich ergehen zu lassen.

Aber, wie gesagt, jedes Land geht da anders ran und, insgesamt gesehen, haben wir nicht bereut, nach Yeosu gefahren zu sein.

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Fr

15

Jun

2012

Von dunklen Wäldern und fliegenden Fischen

im Yakusugi Land
im Yakusugi Land

Weil wir mal wieder etwas Abwechslung in kultureller Hinsicht brauchten, sind wir letzte Woche (wir hatten einen Feiertag) mal in unsere "Zweitheimat" Japan geflogen. Natürlich hatten wir ein besonderes Ziel. Wir haben Japan zwar schon weit bereist und viel gesehen, aber eben noch nicht alles. Und nun wurde ein Traum war, von dem ich dachte, dass er nicht mehr in Erfüllung gehen würde: wir waren auf Yakushima.

Aber der Reihe nach: zunächst sind wir nach Kagoshima geflogen (Hauptstadt der gleichnamigen Präfektur im Süden Kyushus) und haben uns dort einen halben Tag lang umgeschaut. Ist eine nette Stadt, aber wenn man sie nicht gesehen hat, hat man auch nichts verpasst. Wir haben uns natürlich gleich auf das besonnen, was es eben so nur in Japan gibt und haben sowohl zum Mittag als auch abends rohen Fisch gegessen. Hmmm...

Am nächsten Tag sind wir mit der Fähre (einem Schnellboot) nach Yakushima gefahren. Die Strecke vom Hafen Kagoshima beträgt immerhin ca. 100 km.

Ja, da waren wir nun auf dieser weit über Japan hinaus berühmten Insel und sofort fiel uns das unendliche Grün ins Auge. Grün in allen Schattierungen soweit das Auge reicht und dazwischen ein paar farbige Punkte von blühenden Bäumen und Hortensien.

Nun hieß es eintauchen ins dichte Grün, denn dafür waren wir  - wie ca. 300.000 Touristen jährlich auch - gekommen.

1993 wurde der Zedernwald auf Yakushima mit seinen vielen alten Bäumen von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt und er ist wirklich einzigartig.

Wenn es sonst in Japan um gut begehbare Wanderwege eher schlecht bestellt ist, so hat man auf Yakushima - natürlich auch mit Hinblick auf den Schutz des Waldes - gute Pfade angelegt, die zu den einzelnen alten Baumriesen führen. Es gibt Pfade auf Holzplanken für die schlecht ausgerüsteten Touristengruppen mit wenig Zeit und solche über Stock und Stein, die in einem längeren Rundkurs etwas weiter in Wald führen - für solche Leute wie uns, die etwas gehen und sehen wollen, ohne gleich eine Gipfelbesteigung in Angriff zu nehmen.

Als wir am zweiten Tag auf Yakushima durch den dichten Zedernwald gewandert sind, hatten wir das für die Gegend typische Wetter, nämlich Regen (die jährliche Niederschlagsmenge in den Bergen beträgt 8000 mm).

Aber feucht wäre es auch ohne Regen gewesen und diese Witterung, bei der ein diffuses Licht im Wald herrschte, schuf eine ganz besondere Atmosphäre, die einfach unvergesslich bleibt.

Ganz besonders und unvergesslich waren auch wieder die Mahlzeiten. Ihr habt sicher schon erraten, was wir gegessen haben - richtig, rohen Fisch.

Die fliegenden Fische gibts hier wirklich und im Lokal, wo wir zweimal zu Abend gegessen haben, wurden sie uns als tagesfrischer Fang gezeigt und wir haben sie auch als Sashimi verspeist.

Auch als wir Yakushima nach zwei Tagen wieder verlassen hatten, erwarteten uns noch weitere Highlights. Da war einerseits das Hotel in Ibusuki, einem Küstenort am südöstlichen Zipfel der Satsuma-Halbinsel, wo wir nach langer Zeit wieder einmal in den Genuss eines Bades im Onsen gekommen sind und wo uns ein vorzügliches Abendessen serviert wurde.

An unserem letzten Tag, bevor wir von Kagoshima aus wieder nach Seoul geflogen sind, hatten wir noch Zeit, auf der Satsuma-Halbinsel das Eine oder Andere anzuschauen, wobei die Samurai-Häuser bzw. deren Gärten aus dem 18. Jahrhundert in Chiran zweifellos das Beeindruckendste an diesem Tag waren.

Ganz , ganz zum Schluß, also kurz vor dem Einsteigen ins Flugzeug gab´s noch ein Fußbad in der heißen Quelle.

Schön war´s, Japan, und wir kommen wieder.

am Flughafen Kagoshima
am Flughafen Kagoshima
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Fr

01

Jun

2012

Ganz im Osten ...

am Naksansa (Tempel)
am Naksansa (Tempel)

... bzw. im Nordosten von Südkorea befindet sich die Provinz Gangwon-do, die wir am Pfingstwochenende besuchten. Bloß dass wir nicht Pfingsten, sondern Buddhas Geburtstag gefeiert haben.

Gangwon-do ist flächenmäßig eine der größten Provinzen in Südkorea, allerdings hat sie nur etwas über 1,5 Mio. Einwohner. Im Osten wird die Provinz vom Japanischen Meer begrenzt (314 km Küste) und im Norden durch 145 km Militärische Demarkationslinie.

Übrigens liegt der Bezirk Pyeongchang, der die Olympischen Winterspiele 2018 ausrichten wird, auch in Gangwon-do.

Die Provinz ist sehr gebirgig und reich an dichten Wäldern. Das macht sie auch so attraktiv für die Einwohner Seouls, die gern Wandern gehen.

Mittelgebirge mit bis zu 1700 m Höhe, im Osten steil abfallend, nach Westen gemächlicher auslaufend, nehmen 81 % der Fläche ein und nur knapp 10 % der Fläche kann für die Landwirtschaft genutzt werden.

Mal abgesehen von den unvermeidlichen Wohnhochhäusern, die man in den Städten sieht, könnte man - aus Seoul kommend - denken, man ist in einem anderen Land.

im Seoraksan Nationalpark
im Seoraksan Nationalpark

Wir haben uns an den drei Tagen sowohl am Meer als auch in den Bergen aufgehalten und zwischendurch einige der Tempel besucht, die sich an den schönsten Fleckchen in abgelegenen Tälern verstecken. Aber ganz so versteckt sind sie dann doch nicht, denn sie hatten - vor allem wegen Buddhas Geburtstag - enormen Zulauf. Wir hatten das Glück, dass wir in der Nähe eines der größten und bedeutendsten Tempel, des Naksansa, übernachtet haben und so die Atmosphäre dort sowohl am späten Abend als auch am Vormittag außerhalb des ganz großen Ansturmes auf uns wirken lassen konnten.

Die Mischung aus faszinierender Bergwelt, schönen Stränden und dem exotischen Flair der geschmückten Tempel hat das Besondere an diesem Wochenende ausgemacht.

Aber Gangwon-do ist eben nicht nur Naturschönheit Kulturdenkmäler. Je weiter man nach Norgen kommt, desto deutlicher wird man an die Geschichte und den aktuellen Status des Landes (Koreakrieg und Teilung des Landes) erinnert. Man sieht viel Militär und die schönen Strände sind menschenleer, weil nicht zugängig. Sie sind - kilometerlang - mit Stacheldraht abgesperrt. Das trübt die gute Stimmung schon etwas und es wird einem ziemlich mulmig zumute, wenn man die Betonaufbauten sieht, mit denen die Straßen im Nu unpassierbar gemacht werden können.

Wir sind trotzdem in die Demilitarisierte Zone gefahren und haben das Observationsdeck besucht, von wo aus man Richtung Nordkorea blicken kann. In die DMZ zu kommen, war auch wieder so ein Akt. Da wird überall Werbung dafür gemacht, aber an Ort und Stelle findet man kein einziges Wort in Englisch vor. Der Ablauf gestaltete sich so: Auto parken, am Schalter anstellen und ein Formular kaufen, Formular ausfüllen, am Schalter anstellen, Formular abstempeln lassen und Eintrittsgebühr bezahlen, weiterfahren, beim Posten Formular vorzeigen und Schild entgegennehmen, welches sichtbar ins Auto gelegt werden musste. Der Besuch des Observatoriums war kein besonderes Highlight, da es Richtung Norden auch nicht anders aussah. Es war bloß interessant zu sehen, welche nordkoreanischen Produkte im Souvenirshop verkauft wurden.

Insgesamt gesehen waren es doch die kleinen, nicht geplanten Erlebnisse, die in Erinnerung bleiben werden:

- das Trockenfischfestival in der Nähe von Inje, bei dem wir auf der Hinfahrt
  anhielten und das so liebevoll von den Einwohnern gestaltet wurde;
- die Einkehr in ein Café bei einem Tempel, das in einem neu errichteten
  Blockhaus untergebracht war, wo uns Schweizer Volksmusik
  entgegentönte und wir einen wirklich guten Espresso zu uns nahmen;
- die junge Bedienstete eines Tempels, die uns in perfektem Englisch einlud,
  den Tempelschatz (von Buddha stammende Zähne) anzuschauen;
- die "Suppe vom Seeteufel" (stand wirklich so in der Karte), die wir am
  ersten Abend im Strandrestaurant aßen;
- der Besuch des Teehauses in einem 300 Jahre alten Anwesen einer
  Adelsfamilie;
- die Abendzeremonie in einem Tempel, bei der die Mönche die große
  Trommel schlugen.

 

Schade, dass die schöne Jahreszeit ihrem Ende zugeht und wir auf den Herbst warten müssen, um wieder solche Ausflüge machen zu können.

im Teehaus
im Teehaus
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Fr

25

Mai

2012

Lobpreisung Buddhas

Es ist schon erstaunlich, dass in einem Land, in dem nicht einmal ein Viertel der Bevölkerung bekennende Buddhisten sind, der Geburtstag Buddhas ein gesetzlicher Feiertag ist. Das ist allerdings erst seit 1975 der Fall, nachdem die buddhistischen Vereinigungen des Landes dies gefordert hatten. Schließlich hat der Buddhismus in Korea eine fast 1000 Jahre ältere Tradition als das Christentum und der 25. Dezember als der Tag der Geburt Christi ist schon seit 1945 ein offizieller Feiertag.

In diesem Jahr fällt Buddhas Geburtstag auf den 28. Mai, aber die Feierlichkeiten dazu haben schon einige Tage vorher begonnen. Ich würde mal den Teil der Feierlichkeiten vor dem eigentlichen Geburtstag als den weltlichen bezeichnen, denn die religiösen Zeremonien in den Tempeln finden am Feiertag selbst statt.

Jedenfalls sind schon seit Wochen die Straßen in der Umgebung eines Tempels mit Lampions geschmückt und es müssen wohl in Seoul allein einige Tausend dieser bunten  Lampions an den Straßenrändern baumeln und teilweise auch im Dunkeln leuchten.

In Seoul wird anläßlich Buddhas Geburtstag jedes Jahr ein Lotos-Laternen-Fest gefeiert, an dessen Ausrichtung zwei große Tempel maßgeblich beteiligt sind.

Gefeiert wurde das gesamte Wochenende, wir beschränkten das Bad in den Massen aber auf den Samstagabend, als die Lotos-Laternen-Parade durch Seouls Zentrum zog. Es war ein beeindruckendes Schauspiel, wie Massen von Menschen als Teilnehmer dieses Umzugs, mit Laternen unterschiedlicher Formen bewaffnet bzw. mit traditionellen Kostümen bekleidet, durch die Straßen zogen und genauso beeindruckend war die Anzahl der Zuschauer, die die Straßen säumten.

Da zogen Mönche genauso vorbei wie ganz normale Einwohner der Stadt als Mitglieder einer Tempelgemeinde, aber auch die Polizeikapelle und Vertreter von Schulen und Universitäten. Es wurde musiziert, getanzt und voller Stolz die großen beleuchteten Figuren auf ihren fahrbaren Untersetzern geschoben.

Wir schauten dem Treiben ungefähr eineinhalb Stunden zu und als wir uns auf den Rückweg machten, war das Ende der Parade noch nicht abzusehen.

Der organisatorische Aufwand, solch eine Veranstaltung diesen Ausmaßes reibungslos über die Bühne zu bringen - in einer Metropole wie Seoul - muss immens gewesen sein.

Man hätte nach der Parade in der Nähe des Jogyesa Tempels - da, wo die Parade endete - noch weiter feiern können, aber wir hatten erst mal genug und bummelten nur noch ein wenig durch das Zentrum.

 

Am Sonntag besuchten wir dann abends den Bongeunsa Tempel - ein bedeutender und großer Tempel in Seoul, dessen Entstehungsgeschichte auf das Jahr 794 zurückgeht.

Schon seit vielen Jahren werden im Rahmen des Lotos-Laternen-Festes auf dem weitläufigen Gelände des Bongeunsa traditionelle Laternen ausgestellt. Diese sind kunstvoll aus Seide und Hanji (koreanisches Papier aus Maulbeerbaumrinde) gefertigt und die verschiedenen Formen symbolisieren verschiedene Bedeutungen, z.B. den Wunsch für Gesundheit, ein langes Leben oder eine gute Ernte.

Es waren weniger Besucher gekommen als ich befürchtet hatte, so dass wir die Gelegenheit hatten, mithilfe eines Stativs schöne Nachtaufnahmen zu machen. Erwähnen möchte ich noch, dass mein Assistent bei dieser Gelegenheit sein Können ganz besonders unter Beweis gestellt und den Titel "Oberassistent" verliehen bekommen hat.

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Mi

16

Mai

2012

Café-Marathon

Hier sieht man die Fotografin und ihren Assistenten
Hier sieht man die Fotografin und ihren Assistenten

Nachdem wir am letzten Samstag erstmals unsere neuen Räder ausgeführt hatten (entlang des Han-Flusses und seiner kleinen Nebenflüsse gibt es schöne Radwege), haben wir uns am Sonntag wieder ins Großstadtgetümmel gewagt. Nach einem Galeriebesuch in Insa-dong (da waren wir dann wenigstens schon nördlich des Hangang in Downtown) fuhren wir in den westlichen Stadtbezirk Mapo-gu nach Hongdae. Dorthin wollten wir schon lange mal, aber die 17 Stationen mit der Metro von zu Hause aus (37 min. Fahrzeit) haben uns bisher immer davon abgehalten.

Hongdae ist die Abkürzung für Hongik Universität, die einem ganzen Stadtviertel, das durch sie geprägt ist, ihren Namen gab. Wir hatten schon viel vom berühmten Nachtleben in Hongdae gehört, aber auch tagsüber ist das Viertel durchaus einen Besuch wert. Zur sonntäglichen Mittagszeit waren die Straßen sowie Restaurants und Cafés gut gefüllt - hauptsächlich mit jungen Leuten. Die Geschäfte sind natürlich auf ihre jugendliche Kundschaft ausgerichtet und dementsprechend gab es die neuesten Fummel zu sehen und laute Musik zu hören. Etwas ruhiger wurde es erst, als die vielen kleinen Läden durch viele kleine Cafés abgelöst wurden. Und da hat mein Fotografenherz natürlich höher geschlagen ! 14 Fotos von verschiedenen Cafés in einer Viertelstunde. Das war neuer Rekord. In eines der Cafés, das uns durch seine Gestaltung angesprochen hat, sind wir dann eingekehrt. Ist hier immer ein Risiko, da der Kaffee nicht immer schmeckt. Aber wir wurden nicht enttäuscht und durch die angenehme Atmosphäre war es auch in Ordnung, dass die Preise etwas höher lagen als bei Starbucks & Co.

Also: wer sich mal nach Seoul verirrt, sollte Hongdae besuchen (man kann dort auch gut und preiswert essen).

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Mi

09

Mai

2012

Ahnenkult

Am Sonntag fand am Jongmyo-Schrein (Königlicher Schrein) die Ahnenzeremonie Jongmyo Jerye statt. Sie ist einer der 5 Riten, die von der königlichen Familie der Joseon-Dynastie durchgeführt wurden und bis heute, also mehr als 500 Jahre später, immer am ersten Sonntag im Mai durchgeführt wird. Jongmyo Jerye dient sowohl der Verehrung der königlichen Vorfahren als auch verdienter Persönlichkeiten aus dem zivilen und militärischen Bereich.

Die ganze Zeremonie zählt als „Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit’ zum UNESCO Weltkulturerbe und besteht aus drei Teilen. Wir waren nur beim Mittelteil, der königlichen Prozession, zugegen, die von ca. 1200 Teilnehmern in historischen Gewändern und teilweise mit historischen Instrumenten bestritten wurde.

Die spirituellen Teile, die über mehrere Stunden am Schrein abgehalten wurden, haben wir uns - zumindest in diesem Jahr - gespart.

Ich will hier nicht ausführen, was bei Jongmyo Jerye im Einzelnen alles gemacht wird und wozu es dient, das kann bei Interesse jeder im Internet nachlesen. Nur soviel: die Prozession war eine Augenweide. Die Kostüme waren alle sehr farbenfroh; die Männer hatten sich extra ein Bärtchen wachsen lassen; die Reiter mit ihren pelzverbrämten Umhängen sahen aus wie Mongolenfürsten und manchmal kam mir der Verdacht, dass man die männlichen Bewohner eines Altenheims für diesen Umzug rekrutiert hatte.

Aber seht selbst auf den nachfolgenden Fotos.

 

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So

06

Mai

2012

Tulpengigantomanie und Seelenheil

Am Sonntagmorgen waren wir ganz klar im Vorteil gegenüber den anderen Besuchern, die wie wir zum Taean Blumenfestival wollten. Ursprünglich stand das nicht auf unserem Plan, da wir aber am Samstag die Plakate gesehen hatten und das Festivalgelände in der Nähe unserer Pension lag, reservierten wir uns den Sonntagvormittag für die Blütenschau.

Im Südwesten der Taean-Halbinsel hatte man ein großes Gelände in Blumenfelder umgewandelt. Felder ist hier das richtige Wort, obwohl das Gelände durch Wasserläufe, einen See und Observationshügel aufgelockert wurde. Viermal im Jahr gibt es hier ein Blumenfestival und jetzt blühten gerade die Tulpen. Tulpen soweit das Auge reicht, in allen erdenklichen Farben, Formen und Größen !

Uns hat dieser blütenreiche Spaziergang gefallen und auch die Koreaner scheinen nach derartigen Angeboten ausgehungert zu sein. Das jedenfalls konnte man aus der nicht endend wollenden Blechkarawane, die sich auf das Festivalgelände zu bewegte, schließen.

Wir verließen dann die Taean-Halbinsel und fuhren nach Osten zum Gyeryongsan Nationalpark, wo wir zunächst den Gapsa (Tempel) aufsuchten, der versteckt zwischen den Bergen des Nationalparks liegt und

auf eine über 1500jährige Geschichte zurückblickt. Am Tempel herrschte ein ständiges Kommen und Gehen von Pilgern und Wanderern, die man jeweils an ihrer besonderen Kleidung erkannte. Allerdings ist uns aufgefallen, dass fast nur Frauen unterwegs waren und wir fragten uns, was wohl die Männer zwischenzeitlich taten.

Der Tag war noch nicht so sehr weit fortgeschritten und so hatten wir noch Zeit, zum Gwanchoksa (Tempel), etwas weiter südlich, zu fahren.

Dieser Tempel ist vor allem deshalb interessant, weil auf seinem Gelände eine über 1000 Jahre alte Buddhastatue steht, der Eunjinmireuk. Er gilt als Buddha der Zukunft und ist mit 19 m Höhe eine der größten Buddhastatuen in Korea.

Leider kann man auf den Fotos (siehe Galerie) die besondere Atmosphäre an den Tempeln nicht einfangen.

Am Abend fuhren wir dann in die nächste größere Stadt, einfach um eine größere Auswahl an Übernachtungs- und Essensmöglichkeiten zu haben.

Als wir in Daejeon ankamen, stellten wir fest, dass die Stadt doch etwas größer ist (1,5 Mio. Eiinwohner). So war es gar kein Problem, ein relativ preiswertes Hotel und ein Restaurant zu finden, wo wir uns verständigen konnte.

Der Tempel, den wir am Montag besuchten, befindet sich auch in einem Nationalpark und man erreicht ihn nach einem Spaziergang, zunächst durch eine große Parkanlage mit beeindruckenden alten Bäumen und dann durch ein lichtes Wäldchen entlang eines Flusses.

Der Beopjusa (Tempel) am Fuße des Songnisan ist der Haupttempel des Jogye Ordens des Koreanischen Buddhismus. Auch dieser Tempel ist schon sehr alt (gegründet 653) und hat eine bewegte Geschichte mit insgesamt acht Umbauten hinter sich. Auf dem großen Gelände befindet sich die älteste hölzerne Pagode in Korea (erbaut 553) sowie eine 33 m hohe Buddhastatue aus Kupfer.

Nachdem wir den Tempel verlassen und im nahegelegenen Ort Mittag gegessen hatten, standen wir vor dem Dilemma, dass die Sehenswürdigkeiten, die wir eigentlich noch besichtigen wollten, zu weit weg bzw. schlecht zu erreichen waren. So fuhren wir nur noch zur Sangdangsanseong Festungsmauer in der Nähe der Stadt Cheongju, die noch fast vollständig erhalten und 4,1 km lang ist. Sie auf der gesamten Länge abzulaufen, haben wir uns gespart, sind aber zu dem an einem See gelegen Ort, der von der Mauer eingeschlossen ist bzw. war, hinabgestiegen. An einem Wochenende wäre dort sicher mehr losgewesen, aber so konnten wir bei einem Spaziergang in aller Ruhe den schönen Ausblick genießen und waren froh, dieses idyllische Fleckchen gefunden zu haben. Nach Seoul war es nun nicht mehr weit und wir beschlossen, anstatt noch einmal eine Übernachtungsmöglichkeit zu suchen, nach Hause zu fahren. Es ging diesmal auch bedeutend schneller voran als am Samstagvormittag.

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Fr

04

Mai

2012

Durch die Hölle ins Paradies

im Chollipo Arboretum
im Chollipo Arboretum

Als wir uns letzten Samstag ins verlängerte Wochenende Richtung Südwesten aufmachten, überlegte ich noch, ob wir wohl an unserem Zielort etwas zum Mittagessen finden würden. In kleineren Orten ist das immer so eine Sache, besonders wenn man sich nicht verständigen kann. Das Mittagessen war dann unser kleinstes Problem, weil: wir waren noch lange nicht an unserem Zielort angelangt und haben auf einer Autobahn- raststätte zu Mittag gegessen. Etwas Gutes musste ja diese verstopfte Autobahn haben, auf der wir mit 40km/h vorwärtskrochen. Das ist eben der ganz normale Wahnsinn, wenn man am Wochenende aus Seoul raus will.

Ich beschwere mich ja immer, wie provinziell deutsche Großstädte sind, aber eigentlich können wir froh sein, dass es in Deutschland keine richtig großen Städte gibt.

Irgendwann hatten wir dann die 140 km zum Chollipobeach hinter uns gebracht und waren am Arboretum des Amerikaners Carl Ferris Miller angekommen. Die Anzahl der Fahrzeuge auf dem Parkplatz ließ noch die schreckliche Vorahnung von sich durchschiebenden Massen aufkommen, aber auf dem gut 56 Hektar großen Gelände hatten sich die Besucher gut verteilt.

C.F. Miller lebte über 50 Jahre in Korea und begann in den 1970er Jahren, auf dem Land am Chollipobeach, das er einem verarmten Grundbesitzer abgekauft hatte, Bäume zu pflanzen. Als er 2002 fast 81-jährig verstarb, hinterließ er dieses ahnsehnliche Arboretum, das von Experten als das beste der Welt bezeichnet wird. Allein über 400 Magnolienarten wachsen hier und es war gerade die beste Jahreszeit, diese wunderschönen Bäume in voller Blüte zu erleben. Aber auch letzte Kirschblüten und ein Meer von Narzissen und Osterglocken erfreuten das Auge.

Miller hatte sich hier am Meer sein Paradies auf Erden geschaffen und nachdem wir für kurze Zeit darin verweilen durften, waren die Strapazen der Hinfahrt schon vergessen.

Für diesen Tag hatten wir unser Soll erfüllt, weitere Sehenswürdigkeiten waren nicht in der Nähe. So suchten wir uns eine Übernachtungsmöglichkeit und fanden eine ansprechende Pension, die ruhig in einem Kiefernwäldchen oberhalb des Meeres gelegen war. Die junge Frau, die uns den Zimmerschlüssel aushändigte, sprach kein Englisch, so dass wir ihr Angebot, das Abendessen in der Pension einzunehmen, ausschlugen. Wir hätten mit unseren rudimentären Sprachkenntnissen nicht herausgefunden, was sie uns servieren will. Stattdessen fuhren wir in die nächstgelegene Stadt, was sich als nicht sehr kluge Entscheidung erwies. Nachdem wir die Hauptstraße des Ortes auf jeder Seite einmal abgeschritten und die Aufmerksamkeit der ansässigen Jugend auf uns gezogen hatten, mussten wir uns eingestehen, dass es erstens hier nur traditionelle Restaurants (man sitzt auf dem Boden) gibt und wir zweitens mit Englisch hier nicht weiterkommen. Kurzerhand sind wir in ein Fischrestaurant rein und haben mit Händen und Füssen rohen Fisch bestellt. Auf unserem Tisch

landete zwar Sashimi, was wir eigentlich wollten, aber auch noch viele andere Sachen, die die Gewässer so hergeben (Muscheln, Schnecken und noch anderes Undefinierbares). Wir sind zwar satt geworden, aber qualitativ hat es an ein vergleichbares Essen in Japan nicht herangereicht.

Jedenfalls waren wir nach Verlassen des Restaurants froh, als der Schmerz in den Beinen nach einigen Schritten wieder nachließ.

unser Sashimi-Mahl
unser Sashimi-Mahl
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Di

17

Apr

2012

Frühling in der Stadt

an der alten Festungsmauer auf dem Naksan
an der alten Festungsmauer auf dem Naksan

Endlich ! Endlich hat sich auch hier der Frühling so richtig durchgesetzt und es grünt und blüht an allen Ecken und Enden. Es ist unglaublich, wie die Stadt ihr Gesicht dadurch verändert hat. Richtig Spaß macht es jetzt, durch die Straßen und Parks zu gehen und ständig etwas Blühendes zu entdecken - Forsythienbüsche entlang des Flußufers, Magnolienbäume zwischen den Häusern, rosarot blühende Kirschbäume am Straßenrand oder Veilchen im Park. Und es verändert sich jetzt alles rasend schnell; die Magnolien sind bereits am Verblühen und in ein paar Tagen wird die Kirschblüte auch Geschichte sein. Dabei waren am Wochenende, als wir nach den Kirschblüten Ausschau hielten, viele noch nicht einmal geöffnet.

Auf der Flußinsel Yeouido wurde am Freitag offiziell die Kirschblütensaison mit einem grandiosen Feuerwerk eröffnet und am Wochenende dürften dort bedeutend mehr Menschen als Kirschblüten zu sehen gewesen sein. Nun, es gibt auch noch andere Stellen mit Kirschbäumen. Ich muss nur auf unseren Balkon hinaustreten und meinen Blick nach unten richten oder zum kleinen Supermarkt um die Ecke gehen, um die rosarote Pracht sehen zu können (siehe Galerie Seoul/Stadtansichten).

Leider ist die Zeit der Blüte viel zu kurz und es ist unmöglich, all die schönen Plätze aufzusuchen. Aber im nächsten Jahr gibt es dieses Schauspiel garantiert wieder !

Ein paar Frühlingsfotos kann man in der Galerie Seoul betrachten und vielleicht kommen im Laufe der Woche noch einige hinzu.

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Mo

09

Apr

2012

Sakura ? Sakura !

in Tokyo am 05. April
in Tokyo am 05. April

Als ich am 02. April nach Tokyo geflogen bin, waren meine Erwartungen groß, wollte ich doch mit meinen japanischen Freundinnen bei Sonnenschein und milden Temperaturen unter blühenden Kirschbäumen wandeln. So richtig konnte ich es nicht glauben, dass ich für die Kirschblüte zu früh dran sein sollte.

Am Montag konnte ich das nicht mehr nachprüfen, weil der Tag für´s Reisen draufging. Seoul ist von Tokyo nur einen Katzensprung weit entfernt ? Stimmt, die Flugzeit beträgt abhängig von der Richtung und Windstärke nur 100 - 140 Minuten. Aber da die Flughäfen bei beiden Städten weit außerhalb liegen, man sich 2 Stunden vor Abflug einfinden soll und die Einreiseprozeduren sowohl in Japan als auch in Korea nicht gerade das schnelle Reisen unterstützen, war ich pro Richtung von Tür zu Tür 9 Stunden unterwegs.

Am Dienstag hat das Wetter gezeigt, dass es auch im Frühjahr richtig stürmisch werden kann. Dabei hatten wir noch Glück und konnten am Vormittag unseren geplanten Ausflug in Yokohma machen, bei dem wir auch schon die ersten blühenden Kirschbäume entdeckten. Aber am Nachmittag, als wegen des Sturmes Straßen und Brücken gesperrt und Zugverbindungen eingestellt wurden, war ich froh, mich bei einer Freundin sicher im Haus zu wissen.

Am Mittwoch lachte die Sonne vom Himmel, als ob nichts gewesen wäre und so hatten die Kirschblüten noch eine Chance, bis zum Donnerstag aufzublühen. An dem Tag, dem wärmsten der Woche übrigens, war ich nämlich in Tokyo verabredet. Und meine Freundinnen hatten extra einen Ort mit vielen Kirschbäumen gewählt. Nun, ich wurde nicht enttäuscht und es war alles wie vor ein paar Jahren, als ich wie die Japaner auch im Frühling die Orte mit der schönsten Kirschblüte besucht habe.

Am Freitag hatte ich noch einmal die Gelegenheit, in Yokohama am Hafen die rosafarbene Pracht zu bestaunen, bevor mich der Bus wieder zum Flughafem brachte und ein paar unvergessliche Tage in meiner zweiten Heimat vorüber waren.

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Mi

28

Mär

2012

Auf der Suche nach dem Frühling...

In Seoul lässt der Frühling auf sich warten (am 24. März hat es sogar geschneit) und so haben wir uns mit unserem Auto aufgemacht Richtung Süden. Dort in der südwestlichen Provinz Jeollanam-do sollten angeblich die Pflaumen blühen und in einem Ort bei der Stadt Gwangyang fand ein Pflaumenblütenfest statt.

Unser Navi kannte den Weg und nach 4 Stunden Autobahnfahrt hatten wir unser Ziel erreicht. Schon allein des Wetters wegen hatte sich die Fahrt gelohnt, war doch der Regen einem strahlend blauen Himmel gewichen.

Was sich allerdings unseren Augen bei Ankunft im Dorf Seomjin, nördlich von Gwangyang bot, ließ starke Zweifel daran, ob dieser Ausflug eine gute Idee war, aufkommen. Die Reisebusse, die schon auf den Parkplätzen standen bzw. sich auf der Straße aneinander reihten konnten wir nicht zählen und die Anzahl der Pkws sowieso nicht. Wir waren ja von Japan Menschenmassen gewöhnt, aber das war doch der absolute Gipfel. Und alles wegen ein paar Pflaumenbäumen, die noch nicht mal alle aufgeblüht waren !

Wenigstens bekamen wir unser Auto recht bald los und waren schon lange unterwegs durch eine Pflaumenplantage zum Festivalgelände, als die anreisenden Koreaner noch immer einen besser gelegenen Parkplatz suchten.

Auf dem Festivalgelände, dass auf einem großen Platz am Fluss errichtet worden war, stellten wir fest, dass es für Koreaner bei solch einem Event auch sehr wichtig ist, zu essen und etwas zu kaufen.

Im Dorf selbst, das sich an einen Hügel über dem Fluss schmiegte, war es für uns schon interessanter. Hier sahen wir zum ersten Mal, wie die Landbevölkerung lebt. Es gab alte Häuser im traditionellen Stil und neue protzige Wohngebäude. Dazwischen saßen immer wieder alte Mütterchen, die etwas verkaufen wollten. Ach ja, und Pflaumenbäume gab es natürlich auch und es war jammerschade, dass erst ca. ein Drittel der Blüten geöffnet war.

Den Ort zu verlassen war dann noch einmal eine Geduldsprobe, weil viele Besucher erst ankamen, als wir bereits wieder abfuhren. Aber gegen 16.30 Uhr hatten wir es nach Gwangyang hinein geschafft, wo wir auch schnell das von uns angepeilte Motel fanden und dort einchecken konnten.

Das Zimmer war recht geräumig, gut ausgestattet und sauber, so dass einer erholsamen Nacht nichts im Wege stand. Für umgerechnet ca. 27 € war diese Übernachtungsmöglichkeit doch eine gute Alternative zu einem Hotel.

... und nach Zeugnissen längst vergangener Zeiten

im Camelienwald an der Stelle, wo einst der Tempel stand
im Camelienwald an der Stelle, wo einst der Tempel stand

Als wir Richtung Gwangyang fuhren hatten wir außer dem Pflaumenblütenfest kein weiteres Ziel in dieser Gegend. Es stellte sich aber dann heraus, dass es noch so Einiges zum Anschauen und zum Erlaufen gibt. Die Gegend hat Mittelgebirgscharakter und irgendwo zwischen zwei Hügeln verbirgt sich ein Camelienwald, von dem Jürgen gelesen hatte und den wir nach einigem Suchen auch fanden. Ein wunderschönes Fleckchen, wo einst ein Tempel stand, um den herum ein Zen-Priester viele Camelien pflanzte. Das war im 9. Jahrhundert und die ca. 7000 Camelien sind heute an die 5 Meter hohe Bäume, die teilweise rot blühten. Die Stelle, wo der Tempel stand, kann man noch erkennen und an anderer Stelle wurde ein neuer Tempel errichtet sowie eine riesige goldene Buddhastatue aufgestellt.

Nach diesem Naturerlebnis weitab jeglichen Zivilisationslärms begaben wir uns in eine belebtere Gegend und zwar zum Nagan Folk Village. Wir waren schon durch unseren Reiseführer darauf vorbereitet, dass es sich nicht um ein herkömmliches Freilichtmuseum handelt. Das heutige Folk Village bei der Stadt Suncheon war seit dem 17. Jahrhundert ein Festungsstädtchen und alle ca. 100 Häuser innerhalb der Festungsmauern sind noch heute bewohnt bzw.  bewirtschaftet. Man sieht es ihnen an, dass sie aufwändig restauriert wurden und sicher in ihrem Inneren keinen Komfort vermissen lassen. Aber von außen betrachtet fühlt man sich in eine andere Zeit versetzt. Der Rundgang durch das Dorf (man konnte auch auf der Festungsmauer entlanggehen) war ein ganz besonderes Erlebnis und ich habe wieder viele schöne Fotos gemacht, von denen es in der Galerie einige zu sehen gibt.

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Di

13

Mär

2012

Koreanisches Hobby

auf der Aussichtsplattform
auf der Aussichtsplattform

Am letzten Samstag - das Wetter war schön - bewegten wir uns mal etwas abseits der Touristenpfade und taten das, was viele, viele Koreaner, besonders die älteren, in ihrer Freizeit gern tun: wir waren wandern.

Um Seoul herum bieten sich einem dazu viele Möglichkeiten, weil die Stadt von Bergen umgeben ist.

Die bekannteste und beliebteste Wandergegend ist der Bukhansan-Nationalpark, der im Norden von Seoul liegt und den man, je nachdem von wo man kommt, in 40-60 min. mit der Metro erreichen kann. Wir nahmen natürlich auch die Metro, was uns erstens nur 1 Euro pro Person und Strecke gekostet hat und man zweitens anders nicht schneller an sein Ziel kommt.

Als wir auf dem Weg dorthin waren, wusste ich noch nicht, dass es mit ca. 9 Millionen Besuchern jährlich der meistbesuchte Nationalpark der Welt ist (im Verhältnis zur Fläche) und er deswegen ins Guinessbuch der Rekorde aufgenommen wurde. Ich erwartete einen Parkplatz mit einem Toilettenhäuschen, eine Raststätte  und eine Informationstafel. Aber weit gefehlt.

Nachdem wir die Metrostation verlassen hatten, mussten wir, bevor wir überhaupt einen Fuß auf einen Wanderweg setzen konnten, an unzähligen Geschäften, Lokalen und Verkaufsständen für Essen und Trinken sowie Wanderausrüstung vorbei. Der Eingang zum Nationalpark entpuppte sich als Shoppingmeile ! Man konnte sich dort nicht nur mit Proviant und alkoholhaltiger Flüssignahrung sondern auch mit der modernsten Ausrüstung aller namhaften Hersteller für Outdoor- und Treckingbekleidung eindecken. Ich hatte ja schon gehört, dass die Koreaner beim Wandern gut ausgerüstet sind und ich habe dort wirklich Gestalten gesehen, die aussahen, als ob sie zur Alpenüberquerung unterwegs wären.

Im Bukhansan-Nationalpark gibt es, noch gar nicht so lange, einen 70 km langen Rundwanderweg. Die 12 Abschnitte am Bukhansan wurden im September 2010 eröffnet, im Juni 2011 folgten die 9 Abschnitte am Dobongsan. Zur Erklärung: Bukhansan bedeutet "Berg nördlich des Han(flusses)"; mit 836 m ist es der höchste Berg im Nationalpark. Der Dobongsan ist ein weiterer Berg im Nationalpark und 739 m hoch.

Wir bewegten uns im Gebiet des Dobongsan und erreichten nach einem längeren Aufstieg eine Aussichtsplattform, von wo aus wir in nördlicher Richtung den Berggipfel und in südlicher die Ausläufer Seouls sehen konnten. Erwähnenswert wäre noch, dass wir am Anfang unseres Aufstiegs an zwei sehenswerten Tempeln vorbeikamen. In Seoul findet man nämlich kaum noch buddhistische Tempel.

Vom Anblick her nicht so faszinierend, aber alt und selten - und deswegen auch in die Liste der UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen - sind die Königsgräber, auf die wir unterwegs und am Ende unseres Weges trafen. Sie wurden im 15. Jahrhundert angelegt und befinden sich in einem erstaunlich gutem Zustand. Fotos davon und von anderen Anblicken während unserer Wanderung sind in der Fotogalerie zu sehen.

 

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Di

06

Mär

2012

Südseeflair mit Ami-Touch

Es gibt da so Inseln im Pazifik, von denen kennt in Deutschland kaum jemand die Namen und doch sind es Ferienziele. Guam ist ein solches Ferienziel und wir hatten uns diese Insel für einen Kurzurlaub ausgesucht, d.h., in dem koreanischen Reisebüro, wo Jürgen gebucht hatte, gab es kaum eine andere Auswahl, wenn man schnell mal ins Warme wollte.

Guam erreicht man von Seoul aus nach ca. 4 Stunden Flug. Das Flugzeug war voll besetzt, vor allem mit jungen Familien, die wie wir für kurze Zeit das staubige Grau der Stadt hinter sich lassen wollten.

In Guam selbst hat man von den Koreanern nicht mehr viel gemerkt, weil 90% der Touristen Japaner sind. Vielleicht liegt die Beliebtheit der Insel bei den Japanern darin begründet, dass Guam im 2. Weltkrieg von den Japanern besetzt war. Alles dort ist auf die Japaner aus- und eingerichtet. Es wurden einige große Shopping Malls gebaut, die nur vom Umsatz der Touristen leben.

Da wir nicht zum Shoppen hergekommen waren und das tagelange Faulenzen am Strand oder Pool auch nicht unser Ding ist, mieteten wir uns ein Auto und erkundeten die Insel. Mit einer Fläche von 549 km² ist die Insel gar nicht so klein, aber die sehenswerten Ecken hatten wir bald alle abgehakt. Man darf dabei auch nicht übersehen, dass ein großer Teil der Insel von US-Militärstützpunkten belegt und ein weiterer Teil unwegbares gebirgiges Gelände ist.

Hagatna, die Inselhauptstadt, ist ein enttäuschendes Provinznest, aber als wir am Freitagabend dort im "Zentrum" waren, hatten wir das Glück, dass gerade eine Tanzvorführung begann. Die Einheimischen hatten sich zu einem Kino-Open-Air-Abend getroffen und vorher zeigten einige Kinder und Jugendliche- fast alle einheimischer Abstammung - ein paar Südseetänze.

Ein Highlight anderer Art besuchten wir am Samstag: die Talofofo Falls - zwei Wasserfälle, um die herum man einen Park mit einer Seilbahn errichtet hat, um das Ganze richtig touristisch zu vermarkten. Eine besondere Attraktion in diesem Park ist die Yokoi-Höhle, wo 1972 der japanische Unteroffizier Yokoi entdeckt wurde, der seit 28 Jahren in dieser Höhle gelebt hat.

Die drei Tage, die wir auf der Insel hatten, waren genau richtig, um alles Sehenswerte zu sehen ohne dass Langeweile aufkam. Und trotz der vielen Asiaten war es eben ein Stück Land, wo wir alles lesen und uns sprachlich verständigen konnten, was uns einigen Stress ersparte.

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Mi

29

Feb

2012

Koreanisch intensiv

Nein, es handelt sich hier nicht um die Schilderung eines Sprachkurses, obwohl die erfolgreiche Absolvierung eines solchen sicher hilfreich wäre für die Lösung so mancher sich auftuender Probleme. Intensiv war an diesem Tag das Erleben der koreanischen Kultur - der Einkaufskultur und der Esskultur. In Seoul gibt es einige Märkte, jeder mit seinem ganz eigenen Flair und seinem speziellen Warenangebot. Ich war in Begleitung einer Koreanerin auf dem Namdaemun-Markt, der sich mitten in der Stadt unweit des Hauptbahnhofes über ein beachtliches Areal erstreckt. Den Markt gibt es schon sehr lange und es gibt nichts, was man hier nicht finden könnte. Die Warenfülle hat mich fast erschlagen und die Enge und der Lärm trugen auch ihren Anteil dazu bei, dass ich ich mich schon nach kurzer Zeit wirklich wie erschlagen gefühlt habe. Mir kamen Erinnerungen an die Medina in Marrakesch in den Sinn, denn allein hätte ich mich aus diesem Labyrinth nicht wieder herausgefunden. Einige interessante Sachen habe ich entdeckt - auch solche, die ich nie im Leben brauchen werde - und wenn man was Spezielles sucht, wird man hier sicher fündig. Aber meine Kleidung kaufe ich dann doch lieber in einem "normalen" Geschäft.

beim korean barbecue
beim korean barbecue
Etwas entspannter war es dann am Abend, als wir mit Jürgens Kollegen beim Koreanischen Barbecue waren. Es war mein erstes Mal bei einem "echten" Koreanischen Barbecue und hat sich doch etwas von dem unterschieden, was in Japan unter diesem Namen angeboten wird. Es ist DAS koreanische Essen schlechthin und man kann es an jeder Ecke bekommen. Das Problem ist nur, dass wir uns nicht verständigen können und deshalb froh waren, dass ein Koreaner dabei war, der sich gekümmert hat. Was es zu essen gab ? Nun, natürlich Fleisch, das gegrillt wurde und dazu Salat- und Sesamblätter, in die die Fleischstückchen eingewickelt wurden und verschiedene Dips und Saucen, mariniertes Gemüse und - natürlich - Knoblauch ! Zunächst wurden große Fleischstücke auf den Grill gepackt, was mich zum ersten Mal in Erstaunen versetzte. Zum zweiten Mal habe ich gestaunt, als die Fleischstücke mit einer Schere (!) in mundgerechte Stücke geschnitten wurden. Das Fleisch hat man dann so richtig braun brutzeln lassen, um es dann mit den oben beschriebenen Zutaten zu verzehren. Ich muss sagen, es hat besser geschmeckt, als es am Anfang aussah und nach diesem Essen konnten wir mit den Koreanern in der U-Bahn mithalten und der allgemeine Knoblauchgestank hat uns nichts mehr ausgemacht.
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Di

21

Feb

2012

Hurra, wir wohnen wieder !

Zwischen dem 15. Februar, als uns die Wohnung übergeben wurde, und heute, wo ich sagen kann, dass wir fast fertig eingerichtet sind, liegen anstrengende Tage mit Putzen, Kisten auspacken, Möbel auf- und umstellen, Schränke einräumen, und, und, und. Am Wochenende sind wir abends völlig erschöpft in unsere Betten gefallen. Gut geschlafen hätten wir in diesem Zustand wahrscheinlich überall, da hat es keine Rolle gespielt, dass wir zum ersten Mal auf unseren neuen Matratzen lagen.

Wenigstens war während dieser arbeitsreichen Tage für unser leibliches Wohl gesorgt. Als Jürgen am Samstag das Auto zum Einbauen des Navi in die Werkstatt brachte, kam der Autohändler, bei dem wir am Mittwoch unseren fahrbaren Untersatz gekauft hatten, vorbei und überreichte ihm einen riesigen Behälter mit eingelegten Rinderrippchen. Galbi - marinierte Rinderrippchen - sind ein typisch koreanisches Gericht und mir kam nur noch die Aufgabe zu, einen ausreichend großen Topf aufzutreiben und die Rippchen darin für 2 Stunden köcheln zu lassen. Das war unser, sicher nicht so schnell zu vergessendes, Einzugsessen und es war so viel, dass ich Galbi nicht sobald wieder haben will.

Nun haben wir unser Hab und Gut in der nicht gerade kleinen Wohnung verteilt und ich hoffe, dass mein Gehirn abrufbar abgespeichert hat, was ich wo versteckt habe. Aber es soll ja jung halten, wenn man sich immer mal wieder an was Neues gewöhnt.

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Di

14

Feb

2012

Die Hochzeitsmaschinerie

Vorab muss ich hier anmerken, dass die folgenden Zeilen ein Bericht aus zweiter Hand sind. Ich war nicht dabei und gebe wieder, was Jürgen mir berichtet hat.
Angefangen hat es damit, dass Jürgen, wie alle seine Kollegen, eine Einladung zur Hochzeit einer Kollegin bekam. Anscheinend ist es üblich, alle Kollegen einzuladen. Je mehr Gäste - desto mehr Geldgeschenke. Sehr kurzfristig kam die Einladung, nur ein paar Tage vorher und ich wunderte mich, wie das wohl organisatorisch gemeistert wird, weil keine Antwort über Teilnahme oder Nichtteilnahme erwartet wurde. Und das Wundern nahm kein Ende. Waren doch der Einladung Fotos des Brautpaares beigefügt. Das an sich ist ja noch nicht weiter verwunderlich, aber das Paar hatte bereits die Hochzeitskleidung an. Solche romantischen Verirrungen wie „Der Bräutigam darf das Brautkleid auf keinen Fall vorher sehen“ kennt man in Korea also nicht.
Eine Hochzeit in Korea hat absolut nichts mit Romantik und ausgelassenem Feiern zu tun. Es ist ein gesellschaftliches und vor allem ein kommerzielles Ereignis, dem sich inzwischen ein ganzer Industriezweig widmet. Und weil ich das schon wusste, habe ich Jürgen zu diesem Event nicht begleitet.
Eine Hochzeit findet in einer sogenannten Wedding Hall statt. Man sucht sich die aus, die den gewünschten Rahmen bietet und die man sich leisten kann, und mietet sich dann – gewöhnlich für 2 Stunden – ein.
Die geladenen Gäste melden sich an der Rezeption an, tragen sich ins Gästebuch ein und stecken ihr Geldgeschenk (etwas Anderes wird nicht erwartet) in einen der bereitliegenden Umschläge, den sie auch mit ihrem Namen versehen. Erst danach erhält man einen Coupon für´s Essen, sonst könnte ja jeder kommen.
Dann findet im Festsaal die Zeremonie statt (was da so abgeht, müssen wir noch herausfinden, denn Jürgen hat erwartungsgemäß nichts verstanden), es werden Fotos gemacht und dann gibt es Essen und Trinken. Bei dieser Hochzeit gab es ein Buffet. Die Verköstigung der Gäste hängt stark davon ab, was in die Feier investiert wird, also vom sozialen Status des Hochzeitspaares. Aber man möchte sich beeilen (einige der Gäste sind dann auch schon während der Zeremonie zum Essen gegangen), denn nach zwei Stunden will die nächste Gesellschaft in den Saal.
Und das war die ganze Hochzeit, da wird nicht an anderer Stelle weitergefeiert. Ist doch traurig, oder ? Ich habe mich jedenfalls nicht geärgert, dass ich nicht dabei war und Jürgen hat auch gemeint, dass es reicht, bei
einer koreanischen Hochzeit dabei gewesen zu sein.

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So

12

Feb

2012

KulTour

Unsere Tour an diesem sonnigen Samstag haben wir mit einem Aufstieg auf den Montmartre begonnen. Doch, wirklich, könnt Ihr glauben. In Seocho-gu wurde auf einem Hügel, von dem aus man auf das französische Viertel blicken kann, ein Park angelegt, der den Namen "Montmartre" erhielt. Ist ein nettes Fleckchen und wie Ihr auf den Fotos sehen könnt, wurde auch an Geräte zur körperlichen Ertüchtigung der Besucher gedacht. Im französischen Viertel selbst, dass auch "Montmartre" genannt wird, ging es dann viel belebter zu als im Park. Dort leben ca. 560 Franzosen, hauptsächlich weil sich dort die französische Schule befindet. Folglich gibt es im Viertel einige französische Restaurants, Bäcker und Feinkostgeschäfte; "Montmartre" hat somit seinen eigenen besonderen Charme.

Nach einem Abstecher zum Express Bus Terminal, das wir nach einem Spaziergang entlang eines Kanals erreichten, verbrachten wir den Nachmittag im Seoul Arts Center. Dieses befindet sich auch in Seocho-gu, wo auf einer Anhöhe auf einem riesigen Gelände mehrere Gebäude gelegen sind. Das Seoul Arts Center umfasst ein Opernhaus, mehrere Konzerthallen und Theater sowie verschiedene Museen und Galerien.

Wir besuchten zunächst die Ausstellung "Access to life" der Fotografenvereinigung "Magnum". Acht Magnum-Fotografen hatten in 9 Ländern Menschen vor und 4 Monate nach einer AIDS-Therapie fotografiert. Die Geschichten gingen nicht immer gut aus, denn trotz Therapie sind einige dieser Menschen gestorben. Nach diesen eindrucksvollen und aufwühlenden Bildern war es gar nicht so einfach, sich auf den nächsten Programmpunkt zu konzentrieren.

Wir wollten nämlich tiefer in die koreanische Kultur einsteigen, nicht in die moderne, der man auf Schritt und Tritt begegnet, sondern in die traditionelle, die eine 5000jährige Geschichte aufweisen kann.

Dazu begaben wir uns ins National Gugak Center (Gugak ist die Bezeichnung für traditionelle koreanische Musik), das auch Bestandteil des Seoul Arts Center ist und wo jeden Samstag Vorstellungen gegeben werden. Es gibt 10 verschiedene Vorstellungen und wir hatten uns für die entschieden, bei der traditionelle Werke der koreanischen Kultur aufgeführt werden, die als Weltkulturerbe anerkannt sind (Instrumentalmusik, Gesang, Tanz, religiöse Zeremonien).

Die traditionelle koreanische Musik ist für unsere Ohren sehr gewöhnungsbedürftig. Aber durch die Verschiedenartigkeit der Stücke und die farbenfrohen Kostüme war es doch eine recht kurzweilige und interessante Veranstaltung. Nur Fotografieren durfte man dort leider nicht.

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Mo

06

Feb

2012

Zeitreise

die Haupthalle des Gyeonghuigung Palastes
die Haupthalle des Gyeonghuigung Palastes

Was macht man im Winter in einer großen Stadt, noch dazu wenn man keine eigene Wohnung hat ? Richtig, man geht ins Museum. In Seoul gibt es davon eine stattliche Anzahl und bei einigen ist sogar der Eintritt frei. Also haben wir uns auf den Weg gemacht ins Historische Museum von Seoul – von außen ein hässlicher Bau, der seine besten Jahre bereits hinter sich hat, aber im Inneren sehr ansprechend gestaltet. Die Dauerausstellung über die Geschichte Seouls haben wir uns aufgehoben für einen Tag mit wirklich schlechtem Wetter. Gekommen waren wir wegen der Sonderausstellung zur Geschichte Myeong-dongs.
Myeong-dong ist ein beliebtes Viertel im Stadtteil Jongno-gu. Während der Besatzungszeit wurde es „die japanische Stadt“ genannt, weil viele Japaner dort lebten. Dann in den 1960`er Jahren entwickelte es sich zu einem Künstlerviertel mit Theatern und vielen Bars – vielleicht zu vergleichen mit Schwabing zur damaligen Zeit. Inzwischen ist es ein belebtes Finanz- und Shopping-Viertel, wovon wir uns später noch selbst überzeugen konnten.
Aber erst einmal war uns nach mehr Zeugnissen der Geschichte zumute und wir begaben uns ins 17. Jahrhundert – zum Gyeonghuigung Palast. Die Anlage ist heute nur noch halb so groß wie ursprünglich erbaut, die andere Hälfte wurde von den Japanern zerstört.
Für uns war es eine wunderbare Erfahrung, dass es in dieser hektischen Stadt so menschenleer und still sein kann. Sogar dem Zwitschern der Vögel konnte man lauschen.
Kurze Zeit später – in Myeong-dong – kam mir das wie ein Traum vor.
Ich hatte den Eindruck, dass auf dieser Einkaufsstraße, die wir auf dem Weg zur Kathedrale durchqueren mussten, zu der Zeit alle Einwohner Seouls zwischen 15 und 35 Jahren unterwegs waren. Aber das reichte noch nicht. In der Mitte der nicht gerade breiten Straße (Fußgängerzone) hatten fliegende Händler ihre Stände aufgebaut und boten laut schreiend ihre Waren an. Ich jedenfalls habe mir geschworen, nie wieder am Wochenende einen Fuß dorthin zu setzen.

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Fr

03

Feb

2012

Die ersten Tage in der Metropole Seoul

Koreanisch essen wie die Einheimischen
Koreanisch essen wie die Einheimischen

Nun bin ich schon den 6. Tag hier in dieser riesigen Stadt und habe noch nicht viel davon gesehen. Aber schließlich bin ich nicht zum sightseeing hier und die Sehenswürdigkeiten laufen nicht davon. Ich werde - hoffentlich - noch viel Zeit haben, die Stadt zu entdecken.

Die ersten Termine, die ich gemeinsam mit Jürgen absolviert habe, galten der Wohnungssuche. Nach dem dritten Termin mit dem Makler und der Besichtigung von 8 Wohnungen hatten wir was Passendes gefunden. Ich finde, das ist ein überdurchschnittlich gutes Ergebnis. Uns wurde zugesichert, dass wir am 15. Februar einziehen können und darauf verlassen wir uns jetzt mal. Unser Container steht auch schon irgendwo in Seoul und es wäre nicht schlecht, wenn wir demnächst in "eigene" vier Wände ziehen und unsere Sachen auspacken könnten.

Ansonsten habe ich ein wenig die Gegend erkundet, in der sich das Appartement befindet, in dem wir gerade wohnen. Wir bleiben in der näheren Umgebung und da bietet es sich an, dass ich mich auskenne.

Allerdings soll jetzt nicht der Eindruck erweckt werden, dass ich stundenlang durch die Gegend gelaufen bin. Dazu ist es momentan viel zu ungemütlich draußen. Anfang der Woche hat es geschneit und danach brach sibirische Kälte über die Stadt herein mit Temperaturen von -18°C bis -11°C. Den Koreanern scheint das allerdings nicht viel auszumachen, denn die wenigsten tragen eine Kopfbedeckung.

Abends testen wir immer eines der zahlreichen Restaurants in der Umgebung. Zum Glück kann man relativ preiswert essen gehen, denn in unserem Appartement mit Miniküchenzeile steht mir nicht der Sinn nach Kochen.

Gestern Abend waren wir mal im Foodcourt einer Shoppingmall zum Essen. Während es in vielen Restaurants Speisekarten auf Englisch gibt, konnten wir dort gar nichts lesen. Jürgen kam dann auf die Idee, mit seinem Handy ein Foto zu machen von dem Essen, das wir uns ausgesucht hatten, um es dann an der Kasse, wo man im Voraus bezahlen musste, vorzuzeigen. Die Kassiererin war begeistert und wir bekamen unser Essen, ohne Reden zu müssen.

Nun steht das Wochenende vor der Tür, es soll wieder wärmer werden, und ich freue mich auf neue Unternehmungen in Seoul.

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